Nr. 08/2016 vom 25.02.2016

Von Jürg Fischer und Karin Hoffsten

Ätherische

«Als ich mit meinem geliehenen Kleinwagen von Genf aus kommend die Terpentinen hochkurvte, wusste ich noch nicht, dass mich eine Begegnung erwartete, die zu den schönsten in meinem Journalistenleben gehören würde», entnehmen wir der Jubiläumsausgabe der «Zeit» zu deren siebzigjährigem Bestehen. Nun, läge Hamburg, wo die «Zeit» zu Hause ist, nicht im flachen Land, hätte der Journalist die Erfahrung schon früher gemacht. Bei uns stellt sich jedenfalls das Hochgefühl immer schon nach wenigen Terpentinen ein.
Jürg Fischer

Transgenderierende

Der «Tages-Anzeiger» berichtete: «49 Menschen starben in den letzten drei Jahren, während sie sich selbst fotografierten. Im Durchschnitt waren sie 21 Jahre alt und männlich.» Im Durchschnitt männlich? Wir möchten niemandem bei der Feststellung seines Geschlechts zu nahe treten, aber wir meinen, es müsste heissen: im Zweifelsfall männlich. Oder auch: in jedem Fall auf den Kopf gefallen.
Jürg Fischer

Chromosomatische

Was ist eigentlich bekannt über familiäre Besonderheiten im Appenzell? Über den Kabarettisten Simon Enzler schrieb die NZZ: «Doch der Appenzeller fiel nicht weit vom Stamm. Seine Grossväter mütterlicherseits waren prägende Persönlichkeiten des Innerrhoder Kulturlebens. Es sind die Zwillingsbrüder Alfred Fischli (1921–2007), der Volksdramatiker, sowie Markus Fischli (1921–2008), der Festspielautor und Bauernmaler.» Wir tippen auf eineiige Zwillinge, sonst wäre es der Grossmutter vielleicht doch zu viel geworden.
Jürg Fischer

Völkerverbundene

«Die YPG, bei denen es Frauenbataillone gibt und in deren Reihen auch etliche Ausländer kämpfen, eroberten im Lauf des Jahres 2015 weitere Gebiete in Syrien, von denen manche überwiegend von ethnischen Arabern besiedelt waren», wusste der «Tages-Anzeiger». Die unethnischen Araber hatten vorher schon Fersengeld gegeben.
Jürg Fischer

Komplizierte

Die Bedeutung einer Vorsilbe wird zuweilen unterschätzt. So hiess es im «Tages-Anzeiger»: «Ein Orang-Utan-Weibchen verdingt einen Mörder, um die Rivalin um die Ecke zu bringen.» Ganz abgesehen von der zoologischen Sensation, bedeutet das bescheidene «ver»: Die gerissene Orang-Utan-Frau nennt einen Mörder ihr Eigen und gibt ihn für die Tat in fremde Dienste – Verhältnisse, die schon fast nach der Gründung einer Orang-Utan-Gewerkschaft rufen. Doch sie engagierte den Mörder, was «dingte» genannt wird. Wobei wir hier das elegante «dang» vorgezogen hätten.
Karin Hoffsten

Inexistente

«Kriminalität» und «Ausländer» seien Reizwörter, erklärte der Journalist in der «Tagesschau»: «Da gibt es durchaus ein helvetischer Grundkonsens.» Womit er ganz nebenbei einen Konsens ansprach, der zumindest die Deutschschweiz grossmehrheitlich eint: De Accusativo non est disputandum. Zu Deutsch: Ein Wenfall hats hier nicht.
Karin Hoffsten

Druckluftige

«Le Monde diplomatique» erwähnte die «Grenzschliesslungen» in der EU: Jetzt arbeitet man offenbar schon an pneumatischen Zäunen.
Karin Hoffsten

woznews@woz.ch

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