Nr. 09/2016 vom 03.03.2016

Kunst auf der Brache

Neue Kunsthalle? Nein, bei dem so benannten Projekt handelt es sich keineswegs um eine neue Institution im undadaistisch angeheizten Stadtzürcher Dada-Jubiläumsfieber. Vielmehr wollen die Architektin Marion Steiner und der Kurator Boris Billaud unter diesem Namen gerade jene Tendenzen im Kunstbetrieb infrage stellen, bei denen unter dem politisch und ökonomisch motivierten Druck der eigentliche Gegenstand aus den Augen verloren geht: die Kunst.

Auf dem Areal der Kulturweid, einer Brache im Zürcher Kreis 5, simulieren zwölf KünstlerInnen inmitten der neu aufgezogenen Hochhäuser je eigene bildhauerische Beiträge. Ausgangsmaterial der Arbeiten ist jeweils die immer gleiche Menge an Altholz, das in einem Container von den umliegenden Baustellen angeliefert wird.

Diesen Freitag findet auf der Kulturweid, wo ab 2017 ein Schulhausneubau geplant ist, die Vernissage der Installation des Zürcher Künstlers Jso Maeder statt. Weiterhin zu sehen sind die bereits vollendeten Beiträge von Paul Sieber, Markus Furrer und Roger Keller, Heiko Blankenstein und Wink Witholt sowie Ilona Ruegg.

«12 künstlerische Positionen für ein Betriebssystem!» Vernissage der Installation von Jso Maeder in: Zürich Neue Kunsthalle, Kulturweid, Pfingstweidstrasse 63, Fr, 4. März 2016, 18 Uhr. www.kulturweid.org

Adrian Riklin

Literatur an der Aare

Er habe seinen neuen Roman mit dem delirierenden Titel «Die Stunde zwischen Frau und Gitarre» in einem Ausnahmezustand geschrieben: körperlich von einer Krankheit schwer geschwächt, geistig aber hellwach. Auch höre er immer etwa fünf Zweitstimmen in sich, wie ein kleiner griechischer Chor im Kopf. Das verriet der österreichische Schriftsteller Clemens Setz der WOZ vor ein paar Monaten.

Am Freitagabend liest er in Thun zur Eröffnung des Literaare-Festivals aus seinem tausendseitigen Buch. Am Samstag und Sonntag stellen weitere AutorInnen ihre aktuellen Romane vor. Unter anderen sind das Ulrich Peltzer mit «Das bessere Leben», Terézia Mora mit «Das Ungeheuer», Olga Grjasnowa mit «Die juristischen Unschärfen einer Ehe» und Monika Zeiner mit «Die Ordnung der Sterne über Como». Auch die drei SiegerInnen des diesjährigen Schreibwettbewerbs präsentieren ihre Texte dem Publikum.

Literaare, 11. Thuner Literaturfestival, in: Thun Fr–So, 4.–6. März 2016. www.literaare.ch

Daniela Janser

Büchner aktuell

Im Winter 1835 schrieb der junge deutsche Dramatiker Georg Büchner sein Stück «Dantons Tod» über das Scheitern der Französischen Revolution. Gut 180 Jahre später macht sich der syrische Dramaturg Mudar al-Haggi aus ganz aktuellem Anlass Gedanken zu Büchners Theater des nachrevolutionären Terrors: «Was ist also die Lösung, Büchner? Ist Blut das unausweichliche Ende vom Traum der Gerechtigkeit? Habe ich nicht das Recht auf eine Antwort, nachdem ich dein Stück gelesen habe?» Wie konnte die grosse Erklärung von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit nur wenige Jahre später von einem albtraumhaften Terrorregime und dem Blutbad unter der Guillotine abgelöst werden? Im Luzerner Theater wird Erik Altorfer, der Dramaturg der aktuellen Inszenierung von «Dantons Tod», mit Haggi diskutieren, dessen Blick auf das Theater und die Revolution durch den Krieg in Syrien akut geschärft ist.

«Dantons Tod» in: Luzern Luzerner Theater, So, 6. März 2016. Gespräch mit Mudar al-Haggi um 18 Uhr im Foyer, Theateraufführung um 19.30 Uhr. www.luzernertheater.ch

Daniela Janser

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