Nr. 09/2016 vom 03.03.2016

Der missliche Markenartikel

Von Karin Hoffsten

«Ab 19 zerbricht Dummheit die Schönheit», sagte eine Fotografin in der «Süddeutschen» auf die Frage: «Gibt es Schönheit ohne Intelligenz?» Auf die «Miss Schweiz»-Wahl angewendet, hätte das manch früher Erkorene die Wahl gekostet. Obwohl es halbherzige Versuche gab, im Vorfeld Intelligenz und Bildungsgrad der Kandidatinnen zu ermitteln, hatten derlei Merkmale keinen erkennbaren Einfluss aufs Wahlergebnis. Neben Grösse und Alter ist schön sein die einzige Anforderung. Und als Zugabe charmant und gutherzig.

Doch neben Kandidatinnen, denen nachgesagt wurde, nicht mal das Matterhorn hätten sie erkannt und im Staatskundetest keinen Punkt gemacht, gab es natürlich auch einige, die wenigstens nach ihrem Amtsjahr zeigten, dass sie weit mehr vermögen. Lauriane Sallin, die aktuelle Miss, macht schon jetzt keinen Hehl daraus und wird drum rundum bestaunt: Wow – die studiert und hat sogar eine politische Haltung! Der «Schweiz am Sonntag» sagte sie, wegen ihres Titels könne sie Politikern Fragen stellen, für die sie als Studentin abgewimmelt würde, denn «niemand fürchtet sich vor einer Miss».

Drum ist und bleibt die «Miss Schweiz» – Pardon! – eine Scheissmarke. Ein Etikett, das aus einer intelligenten jungen Frau Zimmerschmuck macht. Zum Glück darf die Zierpflanze wenigstens Geld für herzkranke Kinder sammeln.

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