Nr. 10/2016 vom 10.03.2016

Polizeigewalt gegen Flüchtlinge in Mazedonien

Von Noëmi LandoltMail an AutorIn

Zurzeit harren nahe des griechischen Grenzorts Idomeni 15 000 Menschen im Morast in Zelten aus und warten auf die Öffnung der Grenze. Auch zahlreiche Journalistinnen, Fotografen und Fernsehstationen befinden sich vor Ort, um die prekären Lebensumstände im Camp und die täglich am Grenzzaun stattfindenden Proteste zu dokumentieren. Als vergangene Woche eine Gruppe von gut 300 Flüchtlingen versuchte, das Tor im Grenzzaun aufzudrücken, gingen die Bilder um die Welt. Auch die mazedonischen Polizisten und Soldaten, die auf der anderen Seite des Zauns standen, haben sich die Aufnahmen wohl genau angeschaut.

In der Nacht vom 3. auf den 4. März durfte eine kleine Gruppe von Menschen legal über die Grenze. Wie nun bekannt wurde, haben mazedonische Polizisten und Soldaten mindestens zwei Männer aus dieser Gruppe, die sie für Anführer der Proteste hielten, massiv misshandelt. Ihnen wurde ins Gesicht geschlagen, und sie wurden nackt ausgezogen und mit Stockschlägen und Elektroschockgeräten traktiert. AugenzeugInnen, die auf der anderen Seite des Grenzzauns auf ihren Durchlass warteten, bestätigen die Berichte. Den beiden Männern wurden schliesslich die Papiere abgenommen, bevor man sie zurück nach Griechenland brachte. Dort versorgte sie Médecins Sans Frontières, einer der beiden Männer wurde mit einer Nackenfraktur ins Spital eingeliefert.

Publik gemacht haben die Vorfälle die AktivistInnen von Moving Europe und Travelling Bureau, die mit beiden Betroffenen und mehreren AugenzeugInnen gesprochen hatten. «Sie erzählten uns, dass im Container der mazedonischen Grenzpolizei Fotos von Wortführern der Proteste hingen», sagt eine Aktivistin von Moving Europe. Zumindest einer der beiden misshandelten Männer war denn auch ein zentraler Akteur der Proteste der vergangenen Tage gewesen; der andere vermutet, verwechselt worden zu sein, da er gar nicht an ihnen teilgenommen habe.

Die mazedonische Regierung dementiert die Vorfälle und bezeichnet die Berichte als «Lügen».

Vollständiger Bericht auf: www.moving-europe.org.

Nachtrag zum Artikel «Geschlossene Grenzen: ‹Warum lasst ihr uns nicht durch?›» in WOZ Nr. 9/2016.

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