Nr. 16/2016 vom 21.04.2016

Die Doktorandenspende

Von Karin Hoffsten

Die Sache mit den anonymen Samenspenden ist und bleibt heikel. Denn Samenbanken sind Firmen, in denen Menschen arbeiten, und Menschen machen Fehler.

Da hatten sich laut «SonntagsBlick» 26 Paare für ihr zukünftiges kleines Genie den Samen eines Spenders gewünscht, der als «talentierter Drummer und Doktorand der Neurowissenschaften» mit einem IQ von 160 beschrieben wurde. Acht Jahre später verrät die Samenbank versehentlich dessen Namen, worauf sich herausstellt, dass der Mann psychisch krank ist, im Knast sass, zwanzig Jahre allein für seinen Bachelor brauchte und «einen hässlichen Leberfleck» hat, was alles zusammen aber einen hohen IQ ja nicht ausschliesst.

Jetzt fordern drei Paare vor Gericht 15,4 Millionen US-Dollar Schadenersatz. Wofür? Für «dumm gelaufen»? Immerhin ist da noch eine Hälfte mütterlichen Erbguts. Und in Anbetracht pädagogischer Forschungsergebnisse ist Vererbung nicht alles. Hochbegabte haben durchaus nicht immer ebensolche Kinder.

In Erwartung ihrer kriminellen Eigenschaften stehen die armen Kinder nun unter scharfer Beobachtung. Einige haben sicher auch schon einen Leberfleck. Es sei «ein Albtraum!», klagt eine Mutter. Doch der eigentliche Albtraum sind die Eltern, die sich von einer hochbegabten Samenspende geniale Babys versprechen. Das ist einfach nur strunzdumm.

Wenn Ihnen der unabhängige und kritische Journalismus der WOZ etwas wert ist, können Sie uns gerne spontan finanziell unterstützen:

Überweisung

PC-Konto 87-39737-0
BIC POFICHBEXXX
IBAN CH04 0900 0000 8703 9737 0
Verwendungszweck Spende woz.ch