Nr. 19/2016 vom 12.05.2016

Alles schiesst ins Kraut

Von Stephan Pörtner

Der Vorsatz, diesen Frühling nicht an den Erwartungen zu scheitern, die diese Jahreszeit so schwierig für alle machten, die einen geruhsamen Verlauf des Lebens bevorzugten, erfüllte Ummersummer mit Zuversicht. Es war kein Zufall, dass im Frühling nicht nur die Wiesenblumen, sondern auch die kollektiven Hysterien ins Kraut schossen. Der unbedingte Drang ins Freie, der Wille zu Grossveranstaltungen und Umzügen waren schwer zu rechtfertigen, aber noch schwerer war es, sich all dem zu entziehen und nicht in den Sog der dadurch geweckten Erwartung auf grundsätzlich unerwünschte Veränderung zu geraten. Ummersummer blieb bis im Juli im Keller und wahrte so seinen Seelenfrieden.

Stephan Pörtner ist Krimiautor («Köbi der Held», «Stirb, schöner Engel», «Mordgarten») und lebt in Zürich. Für die WOZ schreibt er Geschichten, die aus exakt 100 Wörtern bestehen. Im Dezember 2014 hat die WOZ eine Auswahl unter dem Titel «100 Mal 100 Wörter» als Buch herausgegeben, das unter www.woz.ch/shop/woz-buecher erhältlich ist. Sein Krimi «Mordgarten» ist unter www.wozch/shop/buecher zu haben.

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