Nr. 19/2016 vom 12.05.2016

Von David Hunziker

Schweizer Frauenduos

Eclecta und The Chikitas haben zwei Dinge gemeinsam: Beide Bands sind mit einem tollen neuen Album auf Tour, und beide sind sie bekannt für ihre wuchtigen Bühnenauftritte. Um diese Wucht zu erzeugen, haben sie jedoch völlig verschiedene Strategien. Die Gitarristin Lynn Maring und die Schlagzeugerin Saskia Fuertes von den Chikitas arbeiten mit der kanalisierten Kraft schwerer Gitarrenriffs und knackiger Rockbeats. Ihren Sound, der sich zwischen Punk und Stoner Rock bewegt, haben die Genferinnen auf ihrem aktuellen Album «Wrong Motel» kaum verändert. Statt sich auf abgedrehte Experimente einzulassen, suchen die Chikitas unbekümmert weiter nach der Essenz des Rock.

Was Andrina Bollinger und Marena Whitcher von Eclecta genau machen, ist um einiges unklarer, und das soll auch so sein. Schon der Bandname verweist auf die grosse Anzahl an Stilen, in denen sich die beiden Multiinstrumentalistinnen wohlfühlen. Am liebsten mögen es die beiden, wenn sie den ZuschauerInnen derart die Sinne verdrehen, dass diese nicht mehr wissen, aus welchem Instrument nun welche Töne kommen. Als Individuen zur Geltung kommen und im Kollektiv aufgehen: Mit diesem Gegensatz spielen Eclecta. Klingt verkopft, ist es aber nicht. Denn die beiden jagen immer auch berührenden Melodien hinterher.

Eclecta, Plattentaufe von «A Symmetry» in: Zürich Moods, Do, 12. Mai 2016, 20.30 Uhr. The Chikitas in: Aarau Kiff, Sa, 14. Mai 2016, 22 Uhr. Weitere Konzerttermine: www.thechikitas.com.

Gegen das Grenzspektakel

Bilder stummer Menschenmassen und anonymer Körper dominieren die Berichterstattung über Flüchtlinge in der Tagespresse. Um der damit imaginierten Invasion und ihren politischen Folgen entgegenzutreten, erproben KünstlerInnen und FilmemacherInnen alternative Darstellungen der Migration. Mit einer Serie von Filmvorführungen und Vorträgen zeigen die KuratorInnen um den Filmemacher, Forscher und Aktivisten Charles Heller ästhetische Praktiken, die direkt ins Feld der Migrationspolitik intervenieren und gegen das visuelle Spektakel vorgehen, mit dem das Geschehen an den europäischen Aussengrenzen verzerrt wird.

«Bewegte Bilder, mobile Subjekte. Von Menschen und Körpern: Risse im Grenzspektakel» in: Zürich Clubraum, Rote Fabrik, Fr, 13. Mai 2016, 16.30 Uhr. www.rotefabrik.ch.

Mittelmeerabgründe

Wenn Conradin Frei in seiner Serie «Dorade Royale» einzelne Sujets aus dem Mittelmeerraum vor die Linse nimmt, kommt Unbehagen auf. Auf seinen Fotos wird die mit einem Strandurlaub verbundene Schönheit von einer schwer fassbaren Abgründigkeit unterwandert. Die von Frei abgebildeten Fische etwa – das zentrale Motiv der Serie – rufen in ihrer fleischigen Plastizität vor allem Ekel hervor. Da geht es eher um den Tod als um die mediterrane Marktkultur. Zuweilen entzieht sein malerischer Stil alltäglichen Objekten auch ihre Nützlichkeit und kontextualisiert sie in einem rein grafischen Zusammenhang.

«Dorade Royale» von Conradin Frei in: Winterthur Coalmine, Raum für zeitgenössische Fotografie, noch bis Fr, 1. Juli 2016. www.coalmine.ch.

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