Nr. 22/2016 vom 02.06.2016

Von Jürg Fischer und Karin Hoffsten

Reelle

Eine Anzeige aus Bern bietet an: «Die neu renovierte Dachwohnung mit Gallerie beinhaltet ein grosses Wohn-Esszimmer mit Küche und Badezimmer. (…) Die aussergewöhnliche Wohnung befindet sich in einem hystorischen Gebäude mit Blick auf die Aare. Nettomiete CHF 1950.– monatlich.» Wer meint, diese Wohnung sei zu teuer und ausserdem die Vermieterschaft sprachlich beeinträchtigt, sitzt einem hystorischen Irrtum auf.
Jürg Fischer

Abgeklärte

In der NZZ gab man sich vor einigen Tagen der Technik gegenüber aufgeschlossen: «Das Tablet ist richtig eingesetzt ein Segen, da es stupendes Auswendiglernen überflüssig machen kann.» Wir würden ergänzen: stupende Bedienungsfähigkeiten vorausgesetzt. Und wir erinnern auswendig an Kant: «Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit.»
Jürg Fischer

Opulente

Mit einem Strauss «Premium-Rosen, Afrika, 10er-Bund, 60 cm» für 9.95 Franken gratulierte Denner dem «K-Tipp» per Inserat zum 25-Jahr-Jubiläum: «Für mehr Fairness, Transparenz und Preisgerechtigkeit setzen auch wir uns seit fast 50 Jahren ein.» Da uns der abgebildete Strauss doch recht üppig schien, zählten wir nach und kamen dabei auf dreissig Rosen, die nach Adam Riese 29.85 Franken kosten sollten. Die Begriffe «Fairness», «Transparenz» und «Preisgerechtigkeit» lassen zweifellos Interpretationsspielraum.
Karin Hoffsten

Feinfühlige

«Idomeni an der griechisch-mazedonischen Grenze wurde für Flüchtlinge zur Endstation», war im «Bund» zu lesen, was manche erschreckte, denn das «Tagblatt der Stadt Zürich» meldete kürzlich: «Aus Pietätsgründen darf bei der VBZ das Wort ‹Endstation› nicht verwendet werden. Es heisst offiziell ‹Endhaltestelle›.» Ob derlei Taktgefühl die Situation an der Haltestelle Idomeni entschärft hätte, bezweifeln wir.
Karin Hoffsten

Fantasievolle

Das zweite Bild der kleinen Fotoserie «Ausgespielt» in der NZZ zeigt eine junge Frau, die anscheinend in der leeren Wartehalle eines öffentlichen Verkehrsmittels nachdenklich in der Hocke sitzt. Der Kommentar begann so: «Das mehr als knappe Kleidchen und die umso höheren Absätze lassen vermuten, welchem Gewerbe die junge Schönheit nachgeht, die Christian Lutz zu nächtlicher Stunde in Las Vegas fotografiert hat.» Wer immer das geschrieben hat, sollte vielleicht mal wieder unter die Leute gehen.
Karin Hoffsten

Gefolterte

Eindeutiger zum oben angedeuteten Gewerbe gehören die Frauen, die ein Sexinserat im «Blick» zeigt: «Teenies: brutal liquidiert!» Snuffmovies in der Schweiz?, dachten wir bang, doch liquidiert wird nur das Bildmaterial. Der brutalen Abschlachtung angemessenen Sprachgebrauchs beizuwohnen, ist aber mitunter ähnlich qualvoll.
Karin Hoffsten

Aufmunternde

Und nun noch etwas Erfreuliches: Das «Maulwurf-saugen», das wir auf Seite 2 der letzten WOZ lancierten, soll sich in kürzester Zeit zum beliebten Breitensport entwickelt haben.
Karin Hoffsten

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