Nr. 23/2016 vom 09.06.2016

Von Jürg Fischer und Karin Hoffsten

Verletzte

Mehrtägige rauschende Feiern mit vor Stolz glühenden Obrigkeiten bei der Einweihung des gigantischen Lochs durchs Gotthardmassiv können nicht darüber hinwegtäuschen, dass der durchbohrte Berg nur eines will: wieder zusammenwachsen. Denn als die Schweizer «Tagesschau» die Geschichte der komplizierten Bohrungen nochmals Revue passieren liess, enthüllte sie: «Man muss Eisenbögen einziehen, um zu verhindern, dass sich der Tunnel nicht wieder verschliesst.»
Karin Hoffsten

Entschlossene

Seit Jahren beschäftigt uns in dieser Rubrik das Schicksal von Akkusativ und Genitiv. Nun mehren sich die Zeichen, dass der Imperativ viel stärker bedroht, wenn nicht gar bereits ausgestorben ist. «Trete im Fitnesspark kräftig in die Pedale», hiess es kürzlich bei den SBB; auf «Watson» lasen wir: «Empfehle diese Story weiter», und das neue Fairphone fordert: «Betrete den fortgeschrittenen Modus». Wir sind alarmiert! Wurden wunderschöne Formen wie «tritt», «sieh», «gib» oder «empfiehl» bereits klammheimlich abgeschafft? Sollte uns zu Ohren kommen, dass Lehrpersonen inzwischen «Nehme dein Buch und lese vor!» sagen, werden wir zur Waffe greifen.
Karin Hoffsten

Blitzsaubere

Die SchweizerInnen sind ein reinliches Volk. Damit, dass ihnen selbst von eidgenössischer Seite hin und wieder eine gewisse Langsamkeit nachgesagt wird, müssen sie wohl leben. So wurde in der «Zeit» folgender Satz der Basler Ständerätin Anita Fetz kolportiert: «Die Zahl der Zulassungen für neue Fahrzeuge wäscht schneller als die Bevölkerung.»
Karin Hoffsten

Eifernde

«Überhaupt galt der Hassprediger als Strippenzieher der Radikalen. Die Behörden gingen zweimal mit Verhaftungswellen gegen sie vor. Schliesslich hat Kosovo von allen westlich-K Ländern die höchste Dichte an Jihad-Kämpfern.» Das wusste der «Tages-Anzeiger». Die westlich-K Länder dürften aus der K.-u.-k.-Monarchie entstanden sein. Geografisch erstrecken sie sich von Kosovo bis Katalonien. Man erkennt sie einfach an der durchwegs hohen Dichte an Dschihadkämpfern. (Dank an Armin K.!)
Jürg Fischer

Übersinnliche

Das Thema Wetterfolgen ist noch lange nicht ausgereizt, im Gegenteil, es gibt auch manchmal neue Erkenntnisse, etwa bei der Lektüre von «20 Minuten»: «Wenn es lange und stark regnet, nimmt der Boden immer weniger Wasser auf, weil er zunehmend gesättigt ist. Ist die Speicherkapazität des Bodens schliesslich erreicht, kann kein Wasser mehr versickern. Es breitet sich überirdisch aus und fliesst auf direktem Weg in nahe Bäche und Flüsse. Die Hochwassergefahr steigt.» Oberirdisch würden Gummistiefel reichen, überirdisch helfen nur noch Gebete.
Jürg Fischer

Gratwandernde

Fast sprichwörtlich in Absturzgefahr gebracht hat sich die WOZ letzte Woche: «Der Graben verläuft heute nicht mehr nur zwischen Sozialismus und Kapitalismus. ‹Er verläuft auch zwischen den Kräften, die eine fortschrittliche, offene Schweiz propagieren, und jenen, die sich abschotten wollen.› Wer sich zu nahe an diesem Grabe bewege, drohe hineinzufallen.» TotengräberInnen wären dann die, die immer noch auf dem alten Links-rechts-Schema beharren.
Jürg Fischer

woznews@woz.ch

Wenn Ihnen der unabhängige und kritische Journalismus der WOZ etwas wert ist, können Sie uns gerne spontan finanziell unterstützen:

Überweisung

PC-Konto 87-39737-0
BIC POFICHBEXXX
IBAN CH04 0900 0000 8703 9737 0
Verwendungszweck Spende woz.ch