Nr. 25/2016 vom 23.06.2016

Von Kaspar Surber

Die Orgonmaschine

Irgendwann hat Fork Burke, die afroamerikanische Lyrikerin aus Biel, ihrem Bekannten Florian Kaufmann, der sich in Solothurn mit «bricolage universel» beschäftigt, von der Orgonmaschine erzählt. Nun ist Floka, wie er sich kurz nennt, zwar technisch versiert. Er baute schon Instrumente aus Staubsaugern und Schreibmaschinen und einmal auch ein portables Tonstudio, ähnlich den Fotoautomaten am Bahnhof: Bezahlte man fünf Franken und sang ins Mikrofon, spuckte das Gerät eine Schallplatte aus. Die Sache mit der Orgonmaschine scheint Floka aber nachhaltig verwirrt zu haben: «Vielleicht brannte die Phantasie etwas durch. Jedenfalls wurde es mal Zeit, sich etwas genauer mit Energien, Frequenzen, Strömen und den Auswirkungen auf Körper und Geist auseinanderzusetzen», schreibt er.

Im Kunstraum Gepard14 in Bern hat er nun eine temporäre Praxis eingerichtet, für alle, die energielos, schlaflos oder sonst im falschen Takt sind. Ein grosses Instrumentarium steht zur Verfügung, neben der Orgonmaschine auch ein Rosenquarz-Booster und ein Akupunktur-Synthesizer. Alle Geräte seien persönlich getestet, doch eine Heilung werde nicht versprochen. Zudem bietet die Praxis auch Vorträge und Versuche – so einen Sonntag mit Meditationsmusik («Wer hat, bringt eine Matte mit») und zur Finissage eine Reise durch die Zeitgeschichte der Elektronik und ihrer Heilgeräte.

«Orgone or gone?» in: Bern Gepard14, bis 3. Juli 2016. Öffnungszeiten der Praxis und alle Veranstaltungen auf www.gepard14.ch.

Anohni mit Avatar

«Wenn ich deine Mutter mit einer Drohnenbombe töten würde, wie würdest du dich fühlen?», fragt Anohni im Song «Crisis». Drohnenkrieg, Überwachung, Umweltzerstörung: Anohni beschäftigt sich auf ihrem neuen Album «Hopelessness» mit dem Elend der Welt. Das ist textlich zum Teil simpel geworden, musikalisch dafür packend. Um die symphonische Stimme von Anohni haben die beiden Produzenten Hudson Mohawke und Oneohtrix Point Never ihren elektronischen Soundtrack gebaut.

Anohni war früher bekannt als Antony & The Johnsons, nun hat sie ihr Geschlecht angeglichen. Am Jazzfestival in Montreux wird die Sängerin gleich doppelt zu erleben sein. Anohni tritt mit einem Avatar auf die Bühne. Sich selbst multiplizieren: keine schlechte Strategie, um der Überwachung zu entkommen.

Ahnoni in: Montreux Jazzfestival, Fr, 1. Juli 2016, 20 Uhr. www.montreuxjazzfestival.com

Hora retrospektiv

Gianni Blumer lädt zum Festessen der neuen Präsidentin des «Hunger Games»-Staates Panem und frönt so seiner Leidenschaft für die Filmserie. Matthias Brücker inszeniert einen Overkill an Beziehungsdramen und lässt dazu musikalisches Pathos erklingen, von Heavy Metal bis zu Boygrouphits. Ruhiger mag es Nora Tosconi, die ein poetisches Bildtheater über die Selbst- und Fremdwahrnehmung aufführen lässt.

Sechs SchauspielerInnen des Theaters Hora erhielten in der ersten Jahreshälfte die Gelegenheit, ihre eigenen szenischen Visionen auf die Bühne zu bringen. Sie erhielten dafür die Hora-Räumlichkeiten und das Ensemble eine Woche lang zur freien Verfügung gestellt. Das Theater für geistig behinderte Menschen – diesen Frühling mit dem renommierten Hans-Reinhart-Ring ausgezeichnet – zeigt die dabei entstanden Werke nun in einer einwöchigen Retrospektive in der Roten Fabrik.

Theater Hora in: Zürich Fabriktheater, Do, 30. Juni 2016, bis Mo, 4. Juli 2016, jeweils 20 Uhr. Mehr Infos: www.rotefabrik.ch.

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