Nr. 26/2016 vom 30.06.2016

Versohlen in Geschichte und Gegenwart

Von Karin HoffstenMail an AutorIn

Hat leider nicht so geklappt mit dem «Polen versohlen», wie der «Blick» letzte Woche versprach, vermutlich inspiriert von der «Bild»-Zeitung, die schon vor der EM für die deutsche Mannschaft befürchtet hatte: «So werden die Polen uns versohlen.»

Hier gehts jetzt aber nicht um den Fussball und seine sadomasochistischen Anwandlungen, sondern um das Sprachbild; denn wie Kollegin G. in einem Bildarchiv entdeckte, steht das «Polen versohlen» in unheilvoller Tradition: Ein Foto von 1939 zeigt einen Zug mit deutschen Soldaten, auf den der Schriftzug gemalt ist: «Wir fahren nach Polen um Juden zu versohlen».

Damit soll jedoch dem «Blick» kein naziaffiner Sprachgebrauch unterstellt werden; die deutsche Sprache kennt ja einige Wendungen, die ihren Ursprung dem sogenannt Dritten Reich verdanken und bis heute gebräuchlich sind. Aber hingucken kann man ja mal.

Dass das Versohlen bis in die Gegenwart nicht nur metaphorisch, sondern auch handgreiflich praktiziert wird, zeigt übrigens ein im Internet kursierendes Youtube-Filmchen: Da versohlt der Manager einer chinesischen Bank der Belegschaft den Hintern – und niemand wehrt sich. Es ist nicht schön anzusehen.

Aber wie ein User kommentierte: «Chinesen ticken anders, verkaufen wir weiter unsere Firmen und unser Wissen den Chinesen.» Hoch lebe die Globalisierung!

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