Nr. 35/2016 vom 01.09.2016

Von zweifelhaften Privilegien

Von Karin Hoffsten

WC-Putzen muss ja hin und wieder als Synonym für niedere Arbeiten herhalten; dabei wäre unsere Gesellschaft ohne diese ehrenwerte Tätigkeit ziemlich beschissen dran. Auch in diesem Sektor gilt bei Stellenausschreibungen ein Diskriminierungsverbot. Trotzdem sucht der Zürcher Flughafen jetzt nur noch Frauen für die WC-Reinigung: Passagierinnen hätten sich beschwert, wenn die Damentoilette von einem Mann gereinigt worden sei, und am Flughafen verkehrten halt ganz unterschiedliche Kulturen.

Nun haben Damentoiletten in unseren Breiten Einzelkabinen, und auch ein Putzmann widmet sich gemeinhin nur den sanitären Anlagen und nicht der Intimzone der Benutzerinnen. Handkehrum muss sich eine Putzfrau, die meist ähnlichen Kulturen entstammt wie die Flughafenkundin, auf dem Herren-WC häufig einer nackten Pimmelparade aussetzen, weil der Mann seinem kleinen Geschäft ja offen nachgeht.

Von daher bin ich klar für die Gleichstellung des männlichen Personals, frage mich allerdings: Verdienen WC-Putzerinnen eigentlich genauso viel wie WC-Putzer, oder spart der Flughafen mit dem Frauenprivileg gleich noch Lohnkosten?

Woher genau die Beschwerden stammen, verschweigt der Flughafen. Zum Glück. Sonst würde das Egerkinger Komitee sofort wieder mit Unterschriftensammeln beginnen: Für fremde Fötzel kein freies Schweizer WC!

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