Nr. 36/2016 vom 08.09.2016

Von Karin Hoffsten und Jürg Fischer

Astronomische

Um bildhaft zu verdeutlichen, dass es mitunter sehr lange dauert, bis die Vollversammlung an der Berner Reitschule einen Konsens nach aussen kommunizieren kann, hiess es in der letzten WOZ: «Denn Tage, die kommentarlos verstreichen, sind im Twitter-Zeitalter Lichtjahre.» Leser S. klärte uns auf, dass Lichtjahre besser geeignet seien, grosse Entfernungen zu beschreiben als eine lange Dauer; denn sie beschreiben zwar den weiten Weg, den das Licht in einem Jahr zurücklegt, dauern aber trotzdem bloss ein Erdenjahr. Ach ja. Es gibt Momente, in denen fühlen wir uns Lichtjahre von physikalischen Erkenntnissen entfernt.
Karin Hoffsten

Geometrische

Ebenfalls in der letzten WOZ stand dieser Satz, auf den Leser K. mit dem Finger zeigte: «Das Gerücht macht die Runde, dass draussen vor dem Zaun ein paar rechte Schläger die Runde machten.» Und ein paar Zeilen weiter hiess es: «Früher machten in der rechten Szene Aufkleber die Runde …» Aber K., das ist doch gerade der Witz der Sache: Wenn etwas die Runde macht, dann kehrt es unweigerlich wieder.
Jürg Fischer

Unentbehrliche

Schon vor einigen Monaten richteten die Verkehrsbetriebe der Stadt Zürich «eine Expresssuche für verloren gegangene Fundgegenstände ein, welche objektiv dringend benötigt werden». Zum einen fragen wir uns nun, wie so wichtige Fundgegenstände sofort wieder verloren gehen können; zum andern sind wir überzeugt, dass auch das längere Entbehren subjektiv dringend benötigter Gegenstände – wie Schmusedecken oder Freundschaftsringe – zu seelischen Schäden führt.
Karin Hoffsten

Neoliberale

Das Art Institute of Chicago schickte der Abegg-Stiftung in Riggisberg BE ein gesticktes Altarbild aus dem 15. Jahrhundert, auf dass man es restauriere. «Das Chicagoer Museum nimmt dafür kein Geld von der Abegg-Stiftung», berichtete das «Thuner Tagblatt», denn «unser Lohn ist der wissenschaftliche Gewinn», wurde die Direktorin zitiert. Offenbar macht sich auch im US-amerikanischen Kunstsektor eine eigenwillige Vorstellung von Geben und Nehmen breit.
Karin Hoffsten

Gewinnsüchtige

«Der für die Lagerung benötigte Platzbedarf ist gering: 500 Millionen Franken in Tausendernoten finden Platz in zwei Bananenschachteln, was etwa einem Kubikmeter Inhalt entspricht.» Wir kennen uns im Stapeln von Geld weniger gut aus als im Stapeln von Bananenschachteln. Aber dazu können wir sagen: Es wäre schon mancher Umzug gescheitert, wenn zwei Kisten einen Kubikmeter ergäben. Der Journalist des «Tages-Anzeigers» hat sich um den Faktor zehn vertan. Die Differenz – mit Banknoten jeglichen Werts gefüllt – würden wir jederzeit freiwillig von A nach B transportieren.
Jürg Fischer

Anmassende

«Der selbsternannte Whistleblower Rudolf Elmer erreicht vor dem Zürcher Obergericht einen Teilsieg», meldete kürzlich die «Tagesschau» von Schweizer Fernsehen SRF. Das hätten sie wohl gerne: einen offiziell ernannten, berufenen und allseits geschätzten Whistleblower, der immerzu fröhlich das von ihnen komponierte Liedchen whistelt.
Jürg Fischer

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