Nr. 41/2016 vom 13.10.2016

Von Karin HoffstenMail an Autor:in

Verschobene

Im Bemühen um eine Einordnung der unschönen Vorgänge beim Mordprozess in Genf stellte der «Tages-Anzeiger» fest, die Verantwortlichen in Behörden und Institutionen versteckten sich: «Allen voran die Direktorin der nach Adelines Mord aufgelösten sozialtherapeutischen Abteilung», was die getötete Sozialtherapeutin Adeline M. sprachlich unversehens zur Täterin macht, denn es war ihre Ermordung. Angesichts der grauenhaften Ereignisse wollen wir nicht übertrieben spitzfindig werden, aber es spricht schliesslich auch niemand von Kennedys Mord.

Erneuerte

Dieselbe Tageszeitung wies darauf hin, dass es in Grossbritannien und den USA völlig problemlos möglich sei, amtlich Vor- und Nachnamen zu ändern, und belegte das mit einem Beispiel: «Der Schauspieler Kirk Dougals hiess bei der Geburt Issur Danielovitch.» Bevor seine Karriere so richtig losging, liess Kirk seinen Nachnamen noch schnell zu Douglas ändern. Sein berühmter Sohn Michael trägt diesen bis heute.

Erstickte

«Das Experiment starb, als ich beim Umzug das LSD im Kühlschrank vergas.» Die Bloggerin, die das im «Blick am Abend» schrieb, hat für ihre neue Wohnung bereits einen Kühlschrank mit Frischluftventilation angeschafft.

Annektierte

«Viele wissen um Andorras Existenz. Einigen ist noch bekannt, dass das Land irgendwo in den Pyrenäen liegt. Ansonsten ist der Zwergstaat für die allermeisten ein Buch mit sieben Siegeln.» So wies srf.ch auf ein Quiz hin, mithilfe dessen der geneigte Fussballfan seine Kenntnisse über das kleine Land prüfen könne. Ob die ProgrammgestalterInnen selbst den Test gemacht haben, wissen wir nicht. Jedenfalls schrieben sie, das WM-Qualifikationsspiel gegen die Schweiz in Andorras Hauptstadt werde «aus Andorra la Vella/ESP» übertragen.

Schwebende

Unter dem Titel «Berner Erfindung im All» berichtete «20 Minuten»: «Ein Autofahrer ist gestern bei einem Unfall mit drei Autos in Altdorf verletzt worden.» Zur fatalen Kollision kam es, weil sich zwei der beteiligten Autos mit Berner Kennzeichen nach geglückter Erdumrundung gerade im Landeanflug befanden.

Mutierte

Ebenfalls in «20 Minuten» nahm ein Orthopäde dazu Stellung, dass immer mehr Schweizer Rekruten Probleme mit den Kampfstiefeln haben. Früher sei man solches Schuhwerk gewöhnt gewesen, meinte er: «Aber die Füsse haben sich mit der Evolution verändert. Sie sind nicht mehr dieselben wie vor 50 Jahren (…)» Angesichts der Eile, die die Evolution neuerdings an den Tag legt, rechnen wir damit, dass dank natürlicher Selektion bald mehrheitlich Babys mit Tattoos, Piercings und Brustimplantaten geboren werden.

Flüssige

«Gewinne täglich Preise am Fliessband», versprach ein Wettbewerb von «Lucky Bottle Ice Tea», der leider bereits abgelaufen ist. Aber wir hätten sowieso nichts gewonnen, weil die Arbeitsprozesse bei der WOZ noch nicht vollumfänglich automatisiert werden konnten.

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