Nr. 02/2017 vom 12.01.2017

Von Jürg Fischer und Karin HoffstenMail an Autor:in

Ungeputschte

Fast unbemerkt fanden im Kanton Bern politische Wirren statt, nur der «Bund» berichtete: «Etliche umsturzgefährdete Bäume sind nun gefällt und liegen im Wasser des Scherlibachs, oft mitsamt Ästen und Wurzeln.» Ist offenbar gerade noch mal gut gegangen, der Umsturz wurde abgewendet, das Militär muss die Herrschaft nicht übernehmen.
Jürg Fischer

Selbsterfüllende

Nicht immer kommt es gut, wenn Maschinen bei der Arbeit mitdenken, doch der Trennungsau-tomat ist da manchmal anderer Meinung: «Da begehen sie einen grossen Fe-hler.» Wer sagts denn? Die «SonntagsZeitung».
Jürg Fischer

Prophylaktische

Die Statistik ist der Realität häufig einen Schritt voraus. So resümiert «Tages-Anzeiger Online» eine Studie: «Patienten sterben seltener, wenn sie von weiblichen Ärzten behandelt werden.» Die Betroffenen segnen das Zeitliche somit erst, wenn eine männliche Ärztin ans Werk geht, Patientinnen beissen öfter ins Gras. Oder überinterpretieren wir wieder einmal? So oder so: Risiken und Nebenwirkungen entstehen manchmal schon beim Formulieren.
Jürg Fischer

Nachwuchssorgende

Hierzulande, wo Kinder bald keine Kinder mehr sind, sondern immer öfter Kids oder Kiddies, erstaunt es nicht, dass es zu einer Schlagzeile wie der folgenden aus der «Rundschau Süd», einem Gratisanzeiger im östlichen Aargau, kommt: «Starterkid soll den Einstieg erleichtern.» Logischer wäre umgekehrt: Dem Starterkid soll der Einstieg erleichtert werden. Denn ungeachtet der coolen Formulierung fehlt es leider weiterhin an ausserfamiliären Starterkidbetreuungsstrukturen, und die Starterkidzulagen reichen bei weitem nicht, um das hungrige Maul zu stopfen.
Jürg Fischer

Grausame

Der «Tatort» vom letzten Sonntag stimmte den Kritiker auf sueddeutsche.de nachdenklich: «Und so stellt sich die Frage: Können aus einem Land, das Volkswaisen und experimentelle Lyrik hervorgebracht hat, überhaupt Mörder kommen?» Die Antwort lautet Ja. Irgendwer muss die armen Kinder schliesslich ihrer Eltern beraubt haben.
Karin Hoffsten

Sportliche

Bei der Berichterstattung über die Vierschanzentournee schrieb die NZZ vom «polnischen Wunder», denn «drei Polen belegen die ersten vier Plätze». Bisher glaubten wir, die Kunst des Skispringens erfordere vom Sportler vor allem eine schlanke, leichte Statur. Wenn hier also einer der Sieger gleich zwei Plätze benötigte, kann man mit Fug und Recht von einem Wunder sprechen.
Karin Hoffsten

Gefestigte

Neue Forschungsergebnisse präsentierte der «Blick am Abend». Im Maschinenraum der 1912 untergegangenen Titanic habe es schon gebrannt, als sie in See stach: «Dieser Schwelbrand habe die Wand dermassen stabilisiert, dass der verhältnismässig kleine Eisberg grossen Schaden anrichten konnte.» Die Nachrichten über eines der tragischsten Ereignisse in der modernen Seefahrt waren schon immer widersprüchlich; doch die stabilisierende Wirkung von Schwelbränden dürfte die Stahlindustrie interessieren.
Karin Hoffsten

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