Nr. 05/2017 vom 02.02.2017

«Bist Du ganz sauber?»

Von Karin Hoffsten

Vor langer Zeit stellte ich im Gespräch mit meinen Berufsschülern fest, dass wir es in der Klasse gemeinsam auf sieben Nationen brachten und alle «richtigen» Schweizer mindestens einen Eltern- oder Grosselternteil nichtschweizerischer Herkunft hatten.

Die jungen Männer ohne Schweizer Pass fanden es doof, dass auch sie kumulieren und panaschieren lernen sollten: Sie dürften das Erlernte ja doch nicht anwenden! Sicher haben viele von ihnen jetzt Kinder, über deren erleichterte Einbürgerung wir anderen am 12. Februar bestimmen.

Eigentlich ist es selbstverständlich: Wer hier lebt, gehört dazu. Doch das als Heimatliebe getarnte Brett vor dem Kopf einiger MitbürgerInnen ist so massiv, dass sich auch das befürwortende Lager manchmal zu fragwürdigen Argumentationslinien hinreissen lässt. So erwarten die einen von «Terzos» und «Terzas» geradezu überhelvetische Ehrbarkeit und Seelentiefe, andere schippern ungewollt in zweifelhafte Gewässer.

Auf dem Facebook-Account von campax.org zum Beispiel wird humorvoll gefragt: «Bist Du ganz sauber?» oder «Fliesst auch ausländisches Blut in Deinen Adern?», worauf alle freudig ihre Blutprozente auflisten. Da kommen mir «Ahnenpässe» und Schlimmeres in den Sinn, was sich ja derzeit unter neuen Vorzeichen weltweit wachsender Beliebtheit erfreut.

Wie schon Pink Floyd einst raunten: Be careful with that axe, Eugene!

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