Nr. 15/2017 vom 13.04.2017

Von Karin HoffstenMail an AutorIn

Ungebeugte

«Mehr als 40 Prozent der Zürcher sind im Ausland geboren», lasen wir im «Tagblatt der Stadt Zürich»: «Der tiefste Anteil im Ausland Geborener findet man in Friesenberg, der höchste in Schwamendingen.» Auch wenn aus dem Artikel nicht hervorgeht, wo man den höchsten Anteil an DeutschlehrerInnen findet, geht das Gerücht, sie hätten stark gelitten.

Erfreuliche

Ökologisch produzierter Wein sei im Vormarsch, schrieb die NZZ und fügte gleich an, wem wir diesen Fortschritt verdanken: «Und das Wachstum geht namentlich auf das Konto der Westschweiz und der Waadt.» Die Waadt soll sich schon vor einiger Zeit in Richtung Osten aufgemacht haben. Im Moment pausiert sie gerade im Mittelland.

Steigende

Beruhigendes wusste die «NZZ am Sonntag» in einer Bildlegende mitzuteilen: «Bis ins hoche Alter noch körperlich aktiv zu sein, ist ein lächerliches Ideal.» Sinnlose Kraxeleien, zum Beispiel, sollte man im Sommer lieber den Gerätschaften überlassen, denn wie der «Tages-Anzeiger» wusste, kommen die problemlos noch höcher: «Verbreitet kletterte das Thermometer auf über 23 Grad.»

Aktivierte

Der «Blick am Abend» war wieder ganz nah am Puls der internationalen Politik: «Melania macht nichts. Sie hat ihre Stieftochter Ivanka Trump (35) als mächtige Frau im Weissen Haus abbestellt.» Dann zieht sie endlich selbst dort ein und abonniert eine anständige Modezeitschrift.

Existenzielle I

«In die Jahre gekommene Panzer, eine von der Existenz bedrohte Luftwaffe, zu wenig Soldaten» soll der neue Armeechef Philippe Rebord nach seinen ersten hundert Tagen im Amt laut «Bund» beklagt haben, und dafür wolle er mehr Geld. Dabei scheint uns das Problem der Luftwaffe in diesem Fall doch eher feinstofflicher Natur – was will der Mann da mit schnödem Mammon?

Existenzielle II

Ein bisschen unheimlich ist uns der neue Chef ja schon, denn laut NZZ sagte er auch: «‹Die Armee ist in der Lage, einen Cyber-Angriff durchzuführen.› (…) Ein Angriff sei auch als Akt der Verteidigung zu sehen.» Wahrscheinlich gilt das für die Zeit, wenn sich die Luftwaffe dank Existenz entmaterialisiert haben wird, der Schweiz aber weiterhin klingonische Angriffe drohen.

Verquere

Natürlich wissen wir, dass man über Tote nichts Böses sagt. Umso mehr ist es uns ein Anliegen, die «Weltwoche» darauf hinzuweisen, dass Nina, die verstorbene Gattin des Tom Kummer, ihr Recht auf eine korrekte Genitivanwendung posthum nicht verwirkt hat. Beim Satz «Zumal Ninas nächste Verwandten womöglich nichts von derer sexuellen Obsession gewusst haben» dreht sich ja die Asche in der Urne.

Identifizierbare

Eine vorbildliche Anonymisierung lieferte das «Magazin» mit der Zeile: «Der Fotograf Vorname Nachname lebt in Stadt»; vermutlich ist der Betreffende Türke.

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