Nr. 16/2017 vom 20.04.2017

Österliche Nachlese

Von Karin HoffstenMail an AutorIn

Es war wieder weitherum ein Thema, dass die Leute nicht mehr wüssten, worums an Ostern eigentlich gehe. Der «Blick am Abend» klagte lauthals: «Ostern verkommt zum Fest des Konsums», was einer Zeitung gut ansteht, die ausschliesslich durch Werbung finanziert wird. Dass an Ostern bald mehr verschenkt wird als an Weihnachten, scheint bereits fest im kollektiven Gedächtnis verankert.

Ein «BaA»-Leser meinte: «Kleine Geschenke finde ich in Ordnung. Diese kleinen Aufmerksamkeiten wahren auch die Tradition.» Begründet wurde diese Tradition auf Golgatha, wo sich unterm Kreuz verzweifelte AnhängerInnen der neuen Religion zum Trost gegenseitig kleine Schoggihasen zusteckten.

Doch Scherz beiseite. Was an Ostern respektive Karfreitag wirklich geschah, wissen nicht nur all die Philippiner, die sich jedes Jahr kreuzigen lassen, sondern auch die Leute in Langenthal. Dort schleppt im Auftrag der Evangelischen Allianz jährlich ein Jesusdarsteller sein Kreuz durch die Fussgängerzone und wird zu den Worten des Matthäusevangeliums ans Kreuz genagelt. Ich hab das Video von 2017 auf Youtube gesehen: Zwischen Hotel Bären, Reisezentrum und UBS litt der Mann ziemlich glaubwürdig, und mir wurde ein bisschen schlecht dabei.

Da ist mir doch das ganze Hasen- und Eierbombardement immer noch lieber als so eine antike Hinrichtung.

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