Nr. 17/2017 vom 27.04.2017

Subversion, Macht

Immer zwei brauchts zum Tangotanzen, und das ist auch das Konzept der neuen Zürcher Galerie Last Tango: Die beiden Kuratorinnen Linda Jensen und Arianna Gellini bringen jeweils zwei KünstlerInnen zusammen, die sich für die Dauer einer Ausstellung entlang einer thematischen oder kritischen Achse gegenseitig bespiegeln und erweitern. Aktuell sind Werke des Amerikaners Sam Durant und des Schotten Andrew Gilbert zu sehen. Gilbert begibt sich auf die dunkle Seite des britischen Empire und verschränkt in einer Skulptur und mehreren Gemälden Insignien und Fantasien der globalen Grossmacht mit Zeichen lokaler Rebellion und Religion. Diese schlaue künstlerische Subversion von Machtstrukturen, aber auch von Exotismus trifft auf die Recherchen von Sam Durant. Über einen kreativ komponierten Zeitstrahl lotet Durant Weltpolitik als Kulisse und kreativen Motor von Surrealismus und anderen Kunstrichtungen aus: von der Gründung der Niederländischen Westindien-Kompanie 1621 über die Schützengräben des Ersten Weltkriegs und die antikoloniale Asien-Afrika-Konferenz 1955 im indonesischen Bandung bis zur iranischen Revolution von 1979.

«Sam Durant & Andrew Gilbert» in: Zürich Last Tango, Röntgenstrasse 6, noch bis 20. Mai 2017, jeweils Do bis Sa oder nach Voranmeldung. www.lasttango.info

Daniela Janser

Überwachung, Verwaltung

Gleich fünf Ausstellungen fügen sich hier zu einem Panorama der Einwanderungsregion Basel zusammen. Das weltweit brisante Thema Migration wird im Dreiländereck von Schweiz, Deutschland und Frankreich räumlich gebündelt und entlang von Dossiers, Lebensläufen, Industriegeschichte oder Akten der Fremdenpolizei thematisch wieder aufgefächert. Dabei geht es um so unterschiedliche Schauplätze wie das Liestaler Textilunternehmen Hanro oder das Stadttheater Basel und den Arbeitsalltag deutscher Hausangestellter in der Schweiz.

«Magnet Basel: Migration im Dreiländereck» in: Basel, Liestal und Lörrach. Die genauen Ausstellungsorte und alles Weitere unter www.magnetbasel.ch. Vernissage: 27. April 2017, ab 18 Uhr, Pavillon im Hof des Staatsarchivs Basel-Stadt. Bis 1. Oktober 2017.

Daniela Janser

Philip Glass, Gandhi

Es ist die von Mahatma Gandhi entwickelte Haltung des gewaltlosen Widerstands, «Satyagraha» genannt, die im Zentrum von Philip Glass’ erster richtiger Oper steht. Das Werk von 1979 folgt den frühen Jahren des indischen Politikers und Philosophen, zeigt dessen Biografie aber auch im Spiegel dreier berühmter Zeitgenossen: Leo Tolstoi, Rabindranath Tagore und Martin Luther King. Die Texte, gesungen in Sanskrit, bilden keinen konventionellen Plot, wie überhaupt so manches typisch Opernhafte zurückgedrängt ist zugunsten einer statischen Ausdrucksweise. Das Bühnengeschehen erscheint zuweilen fast abstrakt, die Musik ergeht sich in zahllosen Wiederholungen – was geradezu hypnotisierende Wirkungen zeitigen kann. Zum 80. Geburtstag des Komponisten zeigt das Theater Basel «Satyagraha» erstmals in der Schweiz. Regie führt der belgische Choreograf Sidi Larbi Cherkaoui, die musikalische Leitung hat Jonathan Stockhammer.

«Satyagraha» in: Basel Theater Basel, Fr, 28. April 2017, 19.30 Uhr (Premiere). Weitere Aufführungen bis 18. Juni 2017. www.theaterbasel.ch

Thomas Meyer

Pinke Äpfel, bizarre Fundis

Warum heisst das «schwullesbische Filmfestival» eigentlich Pink Apple? Weil es 1997 im Apfelkanton Thurgau gegründet wurde – und bis heute Frauenfeld als zweiten Austragungsort neben Zürich hat. Zum 20. Geburtstag gibt es ein Potpourri aus Dokumentar- und Spielfilmen zu sehen, eine routinierte Mischung aus Klassikern und Premieren, darunter auch der Film, der das erste Pink-Apple-Festival eröffnete: «The Celluloid Closet». Ausserdem wird ein Kurzfilmwettbewerb ausgerichtet und ein Award verliehen, dieses Jahr an Rob Epstein und Jeffrey Friedman, die beiden Macher von «Celluloid Closet». Garniert werden die Filme mit einem Lesbenstadtspaziergang durch Zürich und zahlreichen Podiumsdiskussionen: etwa zu den Themen Regenbogenfamilien oder Coming-out oder über das schwule Männerbild im Porno. Das Gespräch zu «Thurgau – Hölle und Verdammnis?» leuchtet in dunklere Zeiten zurück, als christliche Fundis mit bizarren Plakaten – «Ist es nicht klar, dass die beiden Bolzen nicht zusammenpassen?» – vor dem Frauenfelder Cinema Luna gegen Pink Apple als Untergang des Abendlands protestierten.

Pink Apple in: Zürich, verschiedene Spielorte (26. April bis 4. Mai 2017), und Frauenfeld, Cinema Luna (5. bis 7. Mai 2017). Genaues Programm: www.pinkapple.ch

Daniela Janser

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