Nr. 17/2017 vom 27.04.2017

Die Retter aus dem Ausland

Von Stephan Müller

Ich lese zuweilen die Zeilen des Chefredaktors der Zeitung der für die Langeweile im Schweizer Fussball verantwortlichen Stadt, der sich jeweils samstags über Gott und die Welt auslässt. Um öfters danach den Kopf zu schütteln ob seiner nostalgisch-verbrämten Weltsicht, die meist garniert ist mit etwas Cholerik rechtsstereotypischen Zuschnitts. Ein Somm macht selten einen Sommer.

Letzten Samstag hat er sich mit der Schweiz beschäftigt. Seiner langen, breiten Rede kurzer Sinn (kurz sind seine Ausschweifungen nie): Während Britannien immer wieder grösste Politiker der Zeitgeschichte hervorbringe, seien diese in der Schweiz immer kleingeistig, mittelmässig, bieder. Diese landessystemischen Eigenschaften seien früher Gold wert gewesen, nun aber fehle der grosse Mann, der – wo denn sonst – in Brüssel mit der Hand auf den Tisch schlage. Diese unschweizerische Vorstellung führt er so lange aus, bis man denkt, der geschichtliche Nostalgiker will nun definitiv die Schweiz abschaffen. Er wünscht sich für die Schweiz dringlich Persönlichkeiten ausländischen Zuschnitts, damit diese dem Ausland endlich die Meinung sagen.

So arbeitet sich der Chefredaktor am Aussenminister seines Landes ab und scheitert. Letzte Volte und Quintessenz am Schluss: Zusammen sind die Stimmbürger so gross, dass sie dem Aussenminister den Weg weisen könnten. Und die Schweiz ist gerettet und die Welt auch.

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