Nr. 20/2017 vom 18.05.2017

Teufelspakt im Emmental

Nicht gerade oft kommt es vor, dass Filmemacher von Weltformat begeistert Schweizer Literatur empfehlen, wie kürzlich der Fantasy-Spezialist Guillermo del Toro nach seiner Lektüre von Jeremias Gotthelfs «Schwarzer Spinne». «Schaurig und urwüchsig» sei die Novelle, «eine Kreuzung aus Horror und Märchen», verkündete er auf Twitter. SVP-Bundesrat Ueli Maurer wiederum missbrauchte Gotthelfs Schauerparabel, um bei einer 1.-August-Rede wieder einmal gegen die EU im Speziellen und den Werteverlust im Allgemeinen zu wettern. Man darf also sehr gespannt sein, wie das Theater Kanton Zürich in seiner aktuellen Freilichtaufführung den alten Stoff vom Emmentaler Teufelskuss für ein zeitgenössisches Publikum neu aufbereitet.

«Die schwarze Spinne», Freilichttheater, in: Zollikon Dorfplatz, Do, 18. Mai 2017, 20.30 Uhr, Premiere; Fr, 19. Mai 2017, 20.30 Uhr. Viele weitere Spieldaten: www.theaterkantonzuerich.ch.

Daniela Janser

Kriegerische Architektur

Durch den Bau von militärisch kontrollierten Lagern als Verbotszonen wurde im Algerienkrieg (1954–1962) die Landbevölkerung gewaltsam und im grossen Stil umgesiedelt. Ziel war es, die ZivilistInnen vom nationalen Befreiungskampf abzuschneiden und überhaupt das Alltagsleben der Menschen zu überwachen und zu regulieren. Eine Ausstellung der ETH Zürich untersucht die mächtige Phalanx aus Architektur, Armee und Kolonialpolitik anhand der begleitenden filmischen wie fotografischen Propaganda des französischen Militärs.

«Discreet Violence. Architecture and the French War in Algeria» in: Zürich ETH Hönggerberg, bis Sa, 3. Juni 2017. www.gta.arch.ethz.ch

Daniela Janser

Verve und Witz

Mit unkonventionellen Veranstaltungstiteln und originell gestalteten Plakaten fällt das Berner Barockorchester «Les Passions de l’Âme» seit Jahren auf. In seinen Programmen wie «Spicy», «Passion Attacks!» oder aktuell «Schabernack» löst das Orchester um die Geigerin Meret Lüthi sein Versprechen, alte Musik ganz neu zu interpretieren, immer wieder auf überraschende Art und Weise ein. Mit viel Verve und Witz führt die Barockviolonistin und Konzertmeisterin Lüthi oft nicht nur musikalisch, sondern auch erzählerisch durchs Konzert und eröffnet dadurch sogar klassisch Unbewanderten einen Zugang zur Musik. Und auch KennerInnen können an Konzerten von «Les Passions de l’Âme» Altbekanntes neu entdecken. Im aktuellen Programm widmet sich das Orchester dem Humor in den Werken von Johann Heinrich Schmelzer, Johann Jakob Walther, Heinrich Ignaz Franz von Biber und Johann Joseph Fux.

«Schabernack» in: Bern Yehudi Menuhin Forum, Sa, 20. Mai 2017, 19.30 Uhr; in: Lausanne Église Saint-François, So, 21. Mai 2017, 17 Uhr. www.lespassions.ch

Silvia Süess

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