Nr. 20/2017 vom 18.05.2017

Pädagogik im Kantonsrat

Von Karin Hoffsten

Was ich schmutzig mache, mach ich auch wieder sauber – so bin ich erzogen. Deshalb leuchtete mir sofort ein, dass Vandalinnen und Vandalen den Saustall, den sie im öffentlichen Raum anrichten, auch selbst wieder aufräumen beziehungsweise fürs Aufräumen zahlen sollen. Aber laut Lokalpresse hat der Zürcher Kantonsrat weitergehende Pläne.

Unterm Beifall bürgerlicher Ratsmitglieder forderte ein SVP-Kantonsrat «gekennzeichnete Arbeitseinsätze im öffentlichen Raum», man müsse «die Täter ans Licht holen», was ich mir ungefähr so vorstelle: Beim Putzen tragen die Bestraften T-Shirts mit einer Botschaft in Grossbuchstaben, zum Beispiel: «ICH HABE SIEBEN FARBBEUTEL GEWORFEN!» Ein EDU-Kantonsrat versprach sich davon einen «erzieherischen Wert».

Andere ParlamentarierInnen wiesen auf die Parallele zum mittelalterlichen Pranger hin, mir kamen üble Gebräuche der jüngeren Geschichte in den Sinn. Ein grüner Ratskollege äusserte gute Ideen, wie so ein Pranger auch auf andere Straftaten wie Autorasen oder Finanzbetrug angewendet werden könne.

Für den Vollidioten, der am Samstag einen Mann lebensgefährlich verletzte, indem er einen eisernen Schachtdeckel auf gegnerische Fans fallen liess, würde ich mir übrigens auch gern was ganz Besonderes ausdenken. Und genau wegen solcher Gefühle bin ich froh, dass wir ein staatliches Gewaltmonopol haben.