Nr. 20/2017 vom 18.05.2017

Von Jürg Fischer und Karin Hoffsten

Dialogische

Gerade als wir so werweissten, was kommunikationsmedienmässig wohl als Nächstes auf uns zukommt, wusste der «Blick»: «Der Whistleblower Edward Snowden schreibt sich auf Twitter: ‹Wenn die NSA die Sicherheitslücke offengelegt hätte, als sie sie gefunden haben, und nicht, nachdem sie sie verloren haben, dann wäre das vielleicht nie passiert.›» Selftwittering dürfte ein Trend sein, der bald nicht nur in der russischen Abgeschiedenheit Schule macht. Die Abmachung mit sich selber lautet: Followe mir, dann like ich dich.
Jürg Fischer

Aufmerksamkeitsdefizitäre

«Doch Frey und Girod sind inzwischen zur Höchstform aufgelaufen und wollen die Politikerin nicht ausreden lassen. Völlig absurd wird das Theater, als Herzog über Schizophrenie sprechen will und Girord dazwischen hept, ob denn Babies vom Stroch gebracht würden.» So weit watson.ch in seiner Besprechung der letztwöchigen «Arena»-Sendung. Bemerkenswert finden wir hier weniger die Häufung von Tippfehlern als das überraschende Auftauchen des Verbs «hepen», vulgo rufen oder krähen. Ein Wort, so aus der Zeit gefallen, dass es ausser im Online-Idiotikon nicht mal im Internet auftaucht, und dieses schreibt es hêpen. Wir freuen uns sehr, in «Watson» einen Hêper in der Wüste gefunden zu haben.
Jürg Fischer

Kontrollverlustige

«20 Minuten» zitiert die Freiburger Polizei: «Die Strassenverhältnisse waren für diese Geschwindigkeit ungeeignet, die Fahrer verloren die Kontrolle über ihre Fahrzeuge.» Es gilt die Unschuldsvermutung, aber wir meinen, die Strassenverhältnisse könnten sich schon auch mal ein bisschen mehr Mühe geben.
Jürg Fischer

Reaktive

Dieselbe Gratiszeitung schrieb: «Als sich eine Patrouille dem Mann annahm, zeigte sich dieser äusserst gewalttätig.» Wahrscheinlich war der Betreffende aktives Mitglied im Verein «Rettet dem Genitiv».
Karin Hoffsten

Unhaltbare

«Falls ihr gerade Freundschaftsanfragen von jemandem erhält, der so heisst wie ich (…)», formulierte der «Tages-Anzeiger» in einer wohlmeinenden Warnung vor Facebook-Betrug; drei Tage später fragte dieselbe Zeitung fünf Männer: «Wie hält ihr es mit Sex gegen Bezahlung?» Was die Männer antworteten, interessiert hier weniger. Wir aber sagen euch: Wenn ihr uns weiterhin damit quält, dass ihr schält und wält, wie es euch gefällt, lancieren wir eine Initiative zur Abschaffung von Frühdeutsch: Der Unterricht bringts ja sowieso nicht.
Karin Hoffsten

Polierte

«Seine Mutter versucht, ihn vom Verdacht reinzuwachsen», hiess es auf general-anzeiger-bonn.de. Dass ihr das trotz enormem Kraftaufwand nicht gelang, mag an der ungeeigneten Methode gelegen haben.
Karin Hoffsten

Vielseitige

Ebenfalls aus dem «Tages-Anzeiger» wissen wir: «Im Restaurant Gamper in Zürich kocht Marius Frehner morgen Dienstag ein Menü mit Kurt Brunners Hühnern.» Leider ist der Termin schon vorbei; auch wir hätten die begabten Vögel gerne am Herd beobachtet.
Karin Hoffsten

woznews@woz.ch

Wenn Ihnen der unabhängige und kritische Journalismus der WOZ etwas wert ist, können Sie uns gerne spontan finanziell unterstützen:

Überweisung

PC-Konto 87-39737-0
BIC POFICHBEXXX
IBAN CH04 0900 0000 8703 9737 0
Verwendungszweck Spende woz.ch