Nr. 26/2017 vom 29.06.2017

Es steht 3 : 0 für Baselland

Timo Posselt

Wie man einen Bildungsstandort schrittweise kaputtspart, lässt sich derzeit am Beispiel der Universität Basel beobachten. Als einzige Universität in der Schweiz wird diese von zwei Kantonen finanziert: Während es Basel-Stadt finanziell ausgezeichnet geht, schreibt der Kanton Baselland seit fast zehn Jahren rote Zahlen. Dennoch wollen FDP und SVP auch in Zukunft die Steuern für Unternehmen weiter senken. Kompensieren will man die Ausfälle nicht zuletzt mit Sparmassnahmen in der Bildung: So soll Baselland nach jahrelangen Verhandlungen der beiden Regierungen bis 2021 insgesamt 77 Millionen Franken weniger an die Uni bezahlen. Die Sparübung des Landkantons bedeutet für Basel-Stadt Mehrausgaben von 33,2 Millionen Franken. Baselland spart also auf Kosten aller anderen.

Vor allem die Uni muss bluten: 44 Millionen Franken weniger gibt es in den nächsten vier Jahren. Während sich die Uni Basel weltweit stärkerer Konkurrenz erwehren muss, trampelt ihr im Vorgarten der Nachbar den Rasen kaputt. Baselland soll zudem nur noch die Hälfte der bisherigen 10 Millionen Franken an die städtischen Kulturinstitutionen zahlen, auch hier übernimmt Basel-Stadt den Fehlbetrag. Ausserdem soll der Landkanton ab 2020 den Sitz des Uniratspräsidiums stellen. 3 : 0 für Baselland.

Die Vorlagen der Regierungen müssen nun noch durch beide Parlamente. In Basel-Stadt dürfte die Vorlage ohne Begeisterung abgenickt werden. In Baselland hingegen sind FDP und SVP noch immer nicht zufrieden. Die Richtung stimme zwar, aber da gehe noch mehr, meint die FDP. Die SVP ist ohnehin hochgradig unzufrieden mit dem Sparpaket.

Die Vorlage ist nur eine Zwischenlösung: Ab 2021 wird die Finanzierung der stark auf Naturwissenschaften ausgerichteten Universität neu aufgestellt. Das Rektorat erwägt, quer durch alle Sparten zu sparen; auch eine Erhöhung der Studiengebühren ist ein Thema. Dabei sind diese in Basel die zweithöchsten der Schweiz. Widerstand der Betroffenen kann die Verantwortlichen womöglich aus ihrer bildungspolitischen Starre lösen. Bei den StudentInnen geht es schliesslich um nichts weniger als ihre Zukunft.

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