Nr. 31/2017 vom 03.08.2017

Von Daniela JanserMail an Autor:in

Mit Kunst beflaggtes Dorf

Seit der Verkehr am gegenüberliegenden Hang durchführt, steht Ernen etwas abseits in der schönen Landschaft. Doch dank Kultur macht sich das Walliser Bergdorf jeden Sommer wieder neu unentbehrlich: Das «Musikdorf Ernen» lockt die LiebhaberInnen von raren Barockkompositionen, Jazz und queerer Literatur – und die Ausstellung «Zur frohen Aussicht» verbindet bereits zum zweiten Mal geschickt zeitgenössische Kunst und dörflichen Raum. Zwischen und in den dunkelbraun gebrannten Häusern und Spychern von Ernen haben sechs junge KünstlerInnen aus dem Wallis und dem Rest der Schweiz ihre Werke entwickelt und ausgestellt. Die Zwillingsschwestern Celia und Nathalie Sidler kamen über farbige Fahnen, die sie an Hauswänden aufhängten, ins Gespräch mit den Einheimischen. Ihre Arbeit macht Fremdheit wie auch Zusammengehörigkeit im Dorf neu sichtbar. Im Rathaus, das einst als Kerker und Folterkammer für vermeintliche Hexen diente, verschränkten sich weltliche Gerichtsbarkeit und christlicher Aberglaube. Thomas Julier untersucht, wie diese alte Verknotung bis heute wirksam bleibt. Und Moritz Hossli lässt als veritablen Publikumsliebling zu jeder vollen Stunde einen Galgenvogel – als Stellvertreter des Teufels? – über den Dorfplatz rufen.

«Zur frohen Aussicht» in: Ernen bis 24. September 2017. www.zurfrohenaussicht.org

Das Schreckliche im Auge

Vom Galgenvogel zum Galgenhumor: Gilles Rotzetter intensiviert den Schrecken vor real existierendem Horror mit gemaltem mythologischem Furor. Nicht die Herstellung von Schönheit ist hier die Absicht, Rotzetter will uns mit seinen Gemälden das Verdrängte vielmehr direkt auf die Netzhaut brennen. In seinem aktuellsten Werk «Swiss Atom Love» überführt er eine zweijährige Archivrecherche zur Schweizer Atombombe in farbig lodernde Malerei, Schriftzüge und Installationen: ein apokalyptischer Kunstkosmos, der absichtlich aneckt.

«Swiss Atom Love» von Gilles Rotzetter in: Luzern Kunstmuseum, bis 20. August 2017. www.kunstmuseumluzern.ch

Unerfüllte Wunschbilder

«Freiheit für die Freien, Gleichheit für die Gleichen, Brüderlichkeit für die Brüder.» So zerlegt die in Sarajevo und Paris lebende Künstlerin Maja Bajevic den Slogan der Französischen Revolution in zynisch zugespitzte Einzelteile. Bei Bajevic wird die Kunst selbst zum Instrument der Aufklärung. Seit Mitte der neunziger Jahre analysiert sie Machtkonstellationen, Ungerechtigkeiten, autoritäre Manipulationen und daraus entstehende Krisen, Konflikte und Verzerrungen.

«Power, Governance, Labor» von Maja Bajevic in: Zürich Migros Museum für Gegenwartskunst, bis 13. August 2017. www.migrosmuseum.ch

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