Nr. 33/2017 vom 17.08.2017

Rechnen mit Rutishauser

Von Kaspar Surber

Die Stadt Zürich ist eine saubere, ordentliche und sehr teure Stadt. Ein umso grösseres Ärgernis stellt für die Lokalzeitung «Tages-Anzeiger» das besetzte Koch-Areal dar. Der Polizeireporter des Blattes entdeckte erst die Söhne eines Stadtrats und später sogar Hanfpflanzen auf dem Areal. Am Samstag präsentierte der Chefredaktor nun eine abenteuerliche Rechnung.

Demnach handelt es sich beim Koch-Areal um die «teuerste Besetzung Zürichs». Von seinem Werdegang her sollte Arthur Rutishauser an sich rechnen können: Er studierte Volkswirtschaft, arbeitete lange Jahre als Wirtschaftsredaktor für die «SonntagsZeitung», gewann den Zürcher Journalistenpreis für Recherchen zum Fall der Swissair.

Für seine Rechnung zum Koch-Areal standen Rutishauser folgende Angaben zur Verfügung: Im Jahr 2013 kaufte die Stadt der UBS die Liegenschaft mit 30 000 Quadratmetern für rund 70 Millionen Franken ab. Die Stadt will nun 340 gewerbliche Wohnungen bauen, Gewerbe ansiedeln und einen Park anlegen. Die künftige Nutzung bedeutet gemäss Schätzungen der Stadt einen Wertverlust von 35 Millionen Franken. Auf dem Koch-Areal leben heute 100 bis 150 BesetzerInnen. Rutishausers Resultat: «Pro Hausbesetzer wurden 250 000 Franken Verlust produziert. So viel wie noch nie.»

Zugegeben, die Rechnung enthält mehrere Variablen. Diese gilt es, das weiss man vom Dreisatzrechnen her, richtig miteinander in Beziehung zu setzen. Was also haben die Hausbesetzer mit der künftigen Nutzung und damit mit der Wertminderung zu tun? Genau, überhaupt nichts. Schöner als Pawel Silberring in seinem Leserkommentar kann man es nicht auf den Punkt bringen: «Wenn statt der Besetzer nur 2 herumstreunende Katzen auf dem Areal wären, wäre die Wertberichtigung pro Katze dann 17 Millionen?»

Offenbar ist für den Chefredaktor des «Tages-Anzeigers» eine Hausbesetzung in seiner Stadt das weitaus grössere Problem als der überhitzte Immobilienmarkt. Dabei lassen die Zahlen nur einen Schluss zu: dass es in Zürich heute viel kosten kann, ein Areal einem gemeinnützigen Zweck zuzuführen. Und dass am Ende immer die Grossbank gewinnt.

Fürs nächste Mal: Auf der Website www.kochareal.ch findet sich ein Artikelgenerator für Kampagnentexte gegen die Besetzung.

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