Nr. 35/2017 vom 31.08.2017

Dreissig Jahre Vielfalt

«Genug serbelnde Medien im Aargau! Schluss mit der Informationseinfalt!», sagte sich eine Gruppe umtriebiger Medienschaffender und krempelte die Ärmel hoch. Sie baute ein Radio nach eigenen Regeln. Kommerz raus, Vielfalt rein. Seit seiner Gründung 1987 hat sich das Radio Kanal K in seinem Aargauer Sendegebiet zur wunderbar wuseligen Alternative entwickelt. 150 freie SendungsmacherInnen eröffnen 150 Perspektiven auf fast genauso viele Themengebiete. Legendär ist mittlerweile etwa «Kompass», ein zweistündiger Sendeblock für fremdsprachige Radioschaffende. Eine unerschrockene Musikredaktion kuratiert das Rahmenprogramm. Massgebend sind dabei nicht die Richtlinien der Industrie, sondern der eigene Geschmack. Kanal K spielt Musik unabhängig von ihrer Lautstärke und Länge.

Zum 30. Jubiläum feiert Kanal K die Eigenständigkeit mit einem «Jubelfest». Eingeladen ist neben Kolumnist Max Küng eine ganze Armada lokaler MusikerInnen und Bands, so etwa die achtköpfige Klezmer-Charmeoffensive Pamplona Grup. Gespielt wird vor dem Radiostudio, auf der «kleinsten mobilen Bühne der Welt». Ganz in der Tradition von Kanal K: die grosse Vielfalt versammelt auf engstem Raum.

«30 Jahre Kanal K. Das Jubelfest» in: Aarau Kanal K, Sa, 2. September 2017, ab 14 Uhr. Genaues Programm und Informationen: www.kanalk.ch.

Donat Kaufmann

Fotografische Steilvorlage

Gebannt schaut die Welt in die USA und fragt sich bang, welchen rhetorischen oder realpolitischen GAU der irrlichternde Trump als Nächstes anrichten wird. Dabei war unsere Beziehung zur Grossmacht ennet dem Atlantik immer schon eine gespaltene, irgendwo zwischen Faszination und Abscheu. Auch die Karriere des wohl berühmtesten lebenden Schweizer Fotografen, Robert Frank, fusst auf einem fotografischen Roadtrip durch die Schattenseiten der Vereinigten Staaten von Amerika.

Unter dem Titel «This Is Not America» hat die Luzerner Galerie Neubad nun konzeptuelle und journalistische Arbeiten von sechs Schweizer FotografInnen aus unterschiedlichen Generationen zu einer Ausstellung versammelt, die «einen anderen Blick auf die USA» verspricht. Der titelgebende David-Bowie-Song ist eine Verneinung als Umarmung: Beschworen werden der grösste Himmel und ein Schneemann, der von innen her schmilzt. Eine poetische Steilvorlage für die Fotografie.

«This Is Not America» in: Luzern Neubad, Sa, 2. September 2017, ab 18.30 Uhr Vernissage; bis 5. November 2017. www.neubad.org

Daniela Janser

Herkunft? Verbundenheit!

«Fragen Sie nicht, wo ich herkomme, sondern welchen Orten ich mich verbunden fühle.» Mit dieser Maxime hat die Schriftstellerin Taiye Selasi in einer viel beachteten Rede ihre Identität als «Afropolitin» auf den Punkt gebracht. Erfunden hat sie das Konzept nicht, aber sie hat es vor zwölf Jahren in einem Essay popularisiert – und der Idee in ihrem gefeierten Roman «Ghana Must Go» («Dinge geschehen nicht einfach so», 2013) auch literarisch Ausdruck verliehen. Dabei wurde der selbstbewusste Afropolitanismus auch kontrovers diskutiert: als Lebensstil einer privilegierten Schicht, die ob der globalen Mobilität, die sie selber geniesst, jene vergisst, die sich diese Mobilität gar nicht leisten können. Auf Einladung des Netzwerks Schwarzer Frauen Bla*Sh kommt Taiye Selasi auch ohne neues Buch nochmals nach Zürich für eine Lesung mit anschliessender Diskussion – beides in englischer Sprache.

Taiye Selasi in: Zürich Literaturhaus, Mi, 6. September 2017, 19.30 Uhr. www.literaturhaus.ch

Florian Keller

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