Nr. 36/2017 vom 07.09.2017

Die hedonistische Adaption

Von Karin Hoffsten

Es gibt wirklich Dinge zwischen Himmel und Erde, von denen ich bisher nichts wusste – zum Beispiel Flugzeuge, die für die Swiss ab und zu von Zürich nach Sitten fliegen.

Mit einem solchen unternahm der Zürcher CVP-Stadtratskandidat Markus H. im Februar einen Tagesausflug ins Wallis, weshalb er von grüner Seite kritisiert wurde. Aber H. weiss seit dem Murgang von Bondo auch, dass «die Natur macht, was sie will»; und sein FDP-Konkurrent Michael B. kommentierte in «20 Minuten»: «Auch ein Stadtratskandidat darf selbst entscheiden, wohin er fliegt. Wir leben in einem freien Land.» Das stimmt natürlich. Genauso wie jeder Mensch selbst entscheiden kann, was er tut, damit seine Wahlchancen steigen.

Bisher bot die Swiss solche Flüglein zweimal pro Winter an, und das auch nur, wie sie betont, weil die Flugzeuge sowieso von Sitten nach London müssten und bis Sitten genauso gut jemand drin sitzen könne.

Jetzt will die neue Fluggesellschaft Powdair britische Skifans regelmässiger in den Walliser Pulverschnee bringen und dabei auch dreimal täglich die Strecke Zürich–Sitten bedienen.

Ich find das gut. Der Stadtratskandidat H. meint nämlich auch: «Der Mensch ist den Naturgewalten gegenüber machtlos und muss sich deshalb anpassen.» Und nach so einem Bergrutsch ist es doch nur praktisch, wenn man auch oben rum ins Wallis kommt.

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