Nr. 38/2017 vom 21.09.2017

Schweine im Kinderzimmer

Von Karin HoffstenMail an AutorIn

Modernen Eltern bleibt auch nichts erspart. Erst nervte Furby, das Plastikplüschding, mit dessen Quietschen und Grummeln ich mal ein paar Weihnachtstage verbringen musste – es war der Preis für die Anwesenheit einer sonst friedlichen Sechsjährigen.

Jetzt wirft eine Schweizer Grossbank «Digipigi» auf den Markt: Das «digitale Sparkässeli» in vier verschiedenen Farben «dient auch als Nachtlampe, Uhr und Wecker», sondert ähnlich blöde Geräusche ab wie Furby, soll Eltern bei «der Vermittlung eines verantwortungsvollen Umgangs mit Bargeld und digitalem Geld» unterstützen und enthusiasmiert gemäss Werbung vor allem kleine Mädchen.

Zum «Kids Banking Paket» gehört die Digipigi-Kids-App, für die das Kind logischerweise auch ein Handy braucht; darin kann es Sparziele (wie 200 Franken für ein Velo) und Ämtli (wie Blumengiessen oder Zimmeraufräumen) eintragen – mit Entlöhnung natürlich; ab sieben Jahren gibts sogar eine Maestro-Karte.

Dass Kinder früh lernen, mit Geld umzugehen, ist wichtig und sinnvoll: Jugendverschuldung ist ein weitverbreitetes Problem in unserem Konsumparadies! Aber wie hier ein Geldbehälter zum Objekt kindlicher Liebe gemacht werden soll, scheint mir irgendwie pervers.

Doch was sag ich da? Auch die Grossen sind dem erotischen Reiz des Geldes und allem, was man dafür kriegen kann, ja längst erlegen.

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