Nr. 38/2017 vom 21.09.2017

Von Jürg Fischer

Farbenfrohe

Die Wahl von Fischli-F oder Vögeli-V in der geschriebenen Sprache trennt schon bei den ErstklässlerInnen die Spreu vom Weizen. Was nicht heisst, dass es die Spreu nicht weit bringen kann. Zum Beispiel zu einem Artikel im «Tages-Anzeiger»: «Mit ihren häufig feilchenblauen oder grünen Ganzkörperschleiern zieht Franziska S. im Winterthurer Stadtbild oft die Blicke auf sich.» Wir hingegen erblicken hier einen metallischen Glanz.

Erlegte

Der neue Präsident der Grünliberalen Partei der Schweiz, Jürg Grossen, scheint ein Profilierungsproblem zu haben, dem er aber mit seiner Wortwahl wacker zu Leibe rückt. In einem «Tages-Anzeiger»-Interview zu den Bundesratswahlen befragt, lässt er sich so zitieren: «In den Hearings werden wir die Kandidaten vor allem auf grünliberale Schwerpunkte durchlöchern.» Zwei der drei KandidatInnen haben das Massaker leider nicht überlebt.

Freistilistische

Wahlen rufen nebst den etablierten Parteien allenthalben auch Unabhängige auf den Plan, die sich entsprechend unorthodox gebärden, etwa die «Freien Wähler Wettingen». In ihrem Flyer steht neben vielem anderem dies: «Die Kosten in der Sozialhilfe und bei den Flüchtlingen ist in den letzten Jahren explosiv artig angestiegen. Kosmetik, hilft hier nicht mehr weiter, sondern das Problem muss an der Wurzel angepackt werden.» Wohin das Ganze in Wettingen nämlich führt, ist offensichtlich. Das Geld fehlt schon für den Frühdeutschunterricht.

Merkuriose

Woche für Woche nehmen wir uns vor, die «Hat das Stil?»-Kolumne der «NZZ am Sonntag» nicht zu lesen, doch es hilft nichts. Diesmal fragte Ulrich F. aus Bern: «Eine Freundin von mir weigert sich, grössere Anschaffungen zu tätigen, wenn der Merkur rückläufig ist. Wie reagiere ich stilvoll, wenn ich doch gar nichts mit Esoterik und Astrologie anfangen kann?», und die Beraterin antwortete: «Ich kann Ihre Agonie nachvollziehen.» Können Sie jetzt unsere Aversion nachvollziehen?

Fragwürdige

Auch die Autoseite der «NZZ am Sonntag» ist eigentlich pure Zeitverschwendung, doch auch sie belohnt manchmal die, die vermeintlich schon alles gelesen haben: «Mit 3,86 Metern Länge und 1,86 Metern Breite sieht man sich die engen Gassen eines ligurischen Bergdörfchens erkundigen.» Und was wollen denn die Gassen wissen: Che cazzo vuoi?

Gewaltbereite

Wir lasen: «Er gab zu, die Flaschen geworfen zu haben, bestritt aber bei einem Handgemenge danach, jemanden geschlagen zu haben.» Schön wäre es jetzt, wenn derjenige, der hier die Kommas geworfen hat, ebenfalls zu seiner Tat stehen würde. Wir verraten, es war der «Bund».

Unterzuckerte

Dass die ständig neuen Vorschriften im Lebensmittelbereich zulasten derjenigen, die sie herstellen, gehen, führt uns dieser Satz auf «NZZ Online» vor Augen: «So soll bis 2018 der zugesetzte Zucker in Joghurts um weitere 2,5 Produzent vermindert werden.» Liebe NZZ, das Zeichen für Produzent geht so: %.

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