Nr. 39/2017 vom 28.09.2017

Das Elend der anderen

Von Stephan Pörtner

Die hinausgezögerte Vollendung seiner Grosstat rückte realistisch betrachtet desto weiter in die Ferne, je intensiver er sich mit ihr beschäftigte. Die ausgeklügelte Logistik und minutiöse Planung, die für die erfolgreiche Durchführung eines derart ambitionierten Projektes unabdingbar waren, gerieten immer mehr ins Hintertreffen, während er an eher belanglosen Details herumfeilte und Zeit auf der Metaebene verschwendete. So drohte ihm das Schicksal, anstatt als Erneuerer in die Geschichte einzugehen, als blosser Faulpelz betrachtet und entsprechend belächelt und vergessen zu werden. Dies vermied er dadurch, dass er in einem Ausflugsrestaurant spektakulär von der Terrasse stürzte und damit eine ganze Ferienregion ins Elend riss.

Stephan Pörtner ist Krimiautor («Köbi der Held», «Stirb, schöner Engel», «Mordgarten») und lebt in Zürich. Für die WOZ schreibt er Geschichten, die aus exakt 100 Wörtern bestehen. Die WOZ hat eine Auswahl unter dem Titel «100 Mal 100 Wörter» als Buch herausgegeben, das unter www.woz.ch/shop/woz-buecher erhältlich ist. Sein Krimi «Mordgarten» ist unter www.woz.ch/shop/buecher zu haben.

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