Nr. 41/2017 vom 12.10.2017

Der Filmstar im Arbeitskampf

Von Florian Keller

Andere Hollywoodstars landen wegen Drogen oder Gewalt hinter Gittern. Wenn er dagegen festgenommen wird, lautet sein Vergehen höchstens: Arbeitskampf. Wiederholt wurde er verhaftet, weil er bei gewerkschaftlichen Protesten an vorderster Front mitmarschiert war.

Den kämpferischen Sinn für Gerechtigkeit haben ihm seine Eltern schon früh mit auf den Weg gegeben. Beide arbeiteten in San Francisco bei der Post und engagierten sich stark in der National Association for the Advancement of Colored People (NAACP). Diesen Geist trug der Sohn dann auch an die Uni: Als Mitglied der Black Students’ Union beteiligte er sich ab Herbst 1968 an einem fünfmonatigen Streik, mit dem die Studierenden zuletzt die Schaffung eines Instituts für Black Studies erstritten.

Der Gesuchte brach trotzdem das Studium ab und arbeitete erst bei der Stadt San Francisco, bevor es ihn zum Theater zog. Er war dann schon 33 Jahre alt, als er seine erste kleine Rolle in einem Film ergatterte, als Häftling in «Escape from Alcatraz» mit Clint Eastwood. Seinen Durchbruch feierte er ein paar Jahre später neben Whoopi Goldberg, doch zum Star wurde er erst als Cop in einer Krawallkomödie – an der Seite eines Mannes, der sich Jahre später mit homophoben und antisemitischen Ausfällen ins Abseits manövrieren sollte. Das ungleiche Paar kumpelte sich durch vier Filme, die zusammen weltweit eine Milliarde US-Dollar einspielten.

Sein Vermögen steckte unser Mann in unzählige humanitäre Projekte – aber auch in eine eigene Produktionsfirma, mit der er preisgekrönte Werke von so hochgeschätzten Autorenfilmern wie Apichatpong Weerasethakul oder Abderrahmane Sissako mitfinanziert. Seine Filmografie als Schauspieler ist da weitaus erratischer: Er hat unglaublich viel Schmarren zwischen Klamauk und Horror gespielt, aber er stand auch schon für Wes Anderson, Michel Gondry und Lars von Trier vor der Kamera.

Eine ewige Herzensangelegenheit hat er trotz finanziellem Support seines Freundes Hugo Chávez noch immer nicht verwirklichen können: einen historischen Spielfilm über den haitianischen Revolutionsführer Toussaint Louverture (1743–1803). Womöglich trifft für dieses Projekt mittlerweile doch der Satz zu, den der Gesuchte in seiner berühmtesten Rolle einst bei jeder Gelegenheit als Running Gag von sich gab: «I’m too old for this shit.»

Ob er nun zu alt für diesen Scheiss ist oder nicht: Wer ist der Mann, der auch schon Nelson Mandela spielte und als US-Präsident in einem Katastrophenfilm die Welt untergehen sah?

Wir fragten nach dem 71-jährigen US-Schauspieler Danny Glover. In «Lethal Weapon» (1987) und den drei Sequels bildete er mit Mel Gibson ein schlagkräftiges und phänomenal erfolgreiches Actionduo. Neben Whoopi Goldberg spielte er in Steven Spielbergs «The Color Purple» (1985); später war er etwa in «Dreamgirls» (2006) oder auch in Lars von Triers «Manderlay» (2005) zu sehen. Neben seiner grossen gewerkschaftlichen Arbeit hat sich der Sozialist in den letzten Jahren vor allem auch als Förderer von Filmen wie «Bamako» von Abderrahmane Sissako engagiert.

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