Nr. 44/2017 vom 02.11.2017

Zu viel Risiko

Nach «Citizenfour», ihrem famosen Film über Edward Snowden, hat sich die US-Dokfilmerin Laura Poitras den Wikileaks-Gründer Julian Assange vorgenommen. Der Film «Risk» lohnt sich vor allem deshalb, weil man hier einer versierten Filmemacherin beim Scheitern zuschauen kann. Oder in ihren eigenen Worten: «Ich dachte zuerst, ich könnte die Widersprüche ignorieren und mich einfach auf die Story konzentrieren. Aber dann wurden diese Widersprüche zur Story.» Mit den Widersprüchen meint sie Assanges, gelinde gesagt, seltsame Aussagen über Frauen. Dem gegenüber steht sein Einsatz für einen kompromisslosen politischen Kampf. Poitras interviewte den undurchdringlich bleibenden Assange nicht nur auf kleinstem Raum in der ecuadorianischen Botschaft, sondern auch vor seiner Flucht in diese Gefängniszelle inmitten von London. Zur Zürcher Premiere des Films diskutiert die Professorin Monika Dommann als Expertin für «Digital Societies» mit der «Republik»-Redaktorin Adrienne Fichter und der SP-Nationalrätin Min Li Marti.

Zürich Kino Arthouse Uto, Kalkbreitestrasse 3, Do, 2. November 2017, 18 Uhr.

Unter Fremden

«Unter Fremden» ist die Geschichte von acht Menschen, die sich im Verlauf eines halben Jahrhunderts auf den Weg machen, niedergeschrieben vom Schweizer Journalisten Michael Hugentobler. Sie verlassen die Tschechoslowakei, Japan oder den Kongo und finden sich alle in demselben Haus in Aarau wieder. Es ist auch die Geschichte davon, wie die Entscheidungen mächtiger Männer und Frauen einen Einfluss auf jeden Einzelnen haben – egal ob auf die Nomadin in Tibet oder auf die Büroangestellte in Portugal. Diese Publikation erscheint anlässlich des 20. Jubiläums von «social input», einer Organisation, die sich für die Integration von MigrantInnen in der Schweiz einsetzt. Neben der Lesung des Autors hält Hans-Rudolf Wicker (emeritierter Professor der Sozialanthropologie der Universität Bern) an der Buchvernissage einen Vortrag zum Thema «Migration und die Grenzen der Toleranz».

Aarau Laurenzenvorstadt 87, Mi, 8. November 2017, 16 Uhr.

Vollgeldinitiative von links

Nächstes Jahr stimmen die SchweizerInnen über die Vollgeldinitiative ab. Sie strebt eine Geld- und Finanzreform an. Die Nationalbank soll die alleinige Befugnis erhalten, Geld auszugeben, und die Banken sollen kein elektronisches Geld mehr generieren. Es stellen sich diese Fragen: Wie funktioniert das gegenwärtige Geld- und Finanzsystem? Was will die Initiative? Wie soll sie konkret umgesetzt werden? Wem nützt oder schadet sie? Stützt oder behindert sie das kapitalistische System? Was sind die Gründe, warum man sie aus linker Sicht unterstützen oder ablehnen sollte? Die kontradiktorische Podiumsdiskussion wird von der Pensioniertengruppe VPOD Lehrberufe organisiert. Es diskutieren pro Werner Kallenberger (Jurist, pensionierter Hochschullehrer, Mitglied von SP, VPOD und Denknetz) und kontra David Gallusser (Ökonom, Mitglied von SP, Unia und Denknetz) unter der Leitung von Hans Schäppi (pensionierter Gewerkschaftssekretär, Präsident Solifonds, MultiWatch, Denknetz).

Zürich Volkshaus, Stauffacherstrasse 60, Di, 7. November 2017, 19.30 Uhr.

Gentechnik

Das Café Décroissance beschäftigt sich mit dem Thema «20 Jahre grüne Gentechnik – Versprechen und Umweltauswirkungen vor dem Hintergrund der Diskussion zur Agrarwende». Wie ist der heutige Stand beim Einsatz der grünen Gentechnik? Was wurde versprochen und was geliefert? Es werden sowohl die Umweltauswirkungen im Zusammenhang mit der Agrarwende als auch der Mangel an unabhängiger, kritischer Forschung angesprochen. Es referiert Angelika Hilbeck, Dozentin und Forscherin am Institut für integrative Biologie, ETH Zürich.

Bern Politforum Käfigturm, 2. Stock, Marktgasse 67, Do, 2. November 2017, 19 Uhr.

Tag der Romasprache

Ein wichtiges Element der kulturellen Zugehörigkeit ist die Sprache. Das gilt besonders für Minderheitskulturen ohne eigene Staatlichkeit, ohne eigenes sprachliches Hoheitsgebiet, wie das bei den Roma der Fall ist. Auch in der Schweiz leben Roma. Sie pflegen ihre Sprache, und sie fordern die Anerkennung der Romasprache als Minderheitssprache auch in der Schweiz, ähnlich wie Jenisch oder Rumantsch. 2015 hat die Unesco den 5. November zum Internationalen Tag der Romasprache erklärt. Die Organisation «Romano Dialog» feiert diesen Tag mit einer Informationsveranstaltung (anschliessend Apéro).

Zürich GZ Oerlikon, Gubelstrasse 10, So, 5. November 2017, 16 Uhr.

Venezuela

Venezuela am Rand des Abgrunds; Maduro baut eine Diktatur auf; Strassenkämpfe und Tote – solche Informationen haben die Medien und «Spezialisten» täglich wiederholt, bis in den Sommer. Nach den Wahlen zur verfassunggebenden Versammlung scheint sich die Lage beruhigt zu haben. Kürzlich waren Gouverneurswahlen, in 18 von 23 Bundesstaaten gewann die regierende PSUV, aber die Opposition spricht von massivem Wahlbetrug. Informationsabend mit Walter Suter, ehemaliger Schweizer Botschafter in Venezuela und mehrmals internationaler Wahlbeobachter.

Biel Haus pour Bienne, Kontrollstrasse 22, Mo, 6. November 2017, 19–21 Uhr.

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