Nr. 45/2017 vom 09.11.2017

Die Giraffe im Treppenhaus

Von Stephan Pörtner

Befeuert von einem durch kurzfristige Verbesserung der Lebensumstände entfachten Optimismus, sah Glössner eine glänzende Zukunft vor sich, auf die er sich mit mentaler und körperlicher Selbstoptimierung zielgerichtet vorzubereiten gedachte. Das mittels Gratis-App einer Krankenkasse zusammengestellte Programm aus Trendsportarten und spiritueller Hirngymnastik führte in der ersten Woche bereits zu einer erheblichen Verbesserung der Eigenwahrnehmung. Als er jedoch in der dritten, von gleissender Selbstüberschätzung geblendet, den Versuch unternahm, in der Giraffenposition das Treppenhaus schwebend zu bewältigen, um dabei in vollendeter Vereinigung von Körper und Geist nicht nur höhere Sphären, sondern auch das Punktemaximum zur Prämienverbilligung zu erreichen, baute er einen tödlichen Selbstunfall.

Stephan Pörtner ist Krimiautor («Köbi der Held», «Stirb, schöner Engel», «Mordgarten») und lebt in Zürich. Für die WOZ schreibt er Geschichten, die aus exakt 100 Wörtern bestehen. Die WOZ hat eine Auswahl unter dem Titel «100 Mal 100 Wörter» als Buch herausgegeben, das unter www.woz.ch/shop/woz-buecher erhältlich ist. Sein Krimi «Mordgarten» ist unter www.woz.ch/shop/buecher zu haben.

Wenn Ihnen der unabhängige und kritische Journalismus der WOZ etwas wert ist, können Sie uns gerne spontan finanziell unterstützen:

Unterstützen Sie die WOZ als Ganzes mit einer Flattr-Spende.

Spenden mit Flattr

Drücken Sie ihr Interesse am Text Die Giraffe im Treppenhaus aus und tätigen Sie eine spezifische Flattr-Spende.

Spenden mit Flattr