Nr. 45/2017 vom 09.11.2017

Von Jürg Fischer und Karin HoffstenMail an AutorIn

Ostblockierte

«Ana Roš: Die Slowakin ist derzeit die beste Köchin der Welt», verkündete der «Tages-Anzeiger» vorne auf seinem Kulturbund. Im Artikel zwei Seiten weiter hinten entpuppt sich die Begnadete dann als Slowenin. -wakin oder -wenin? Die Gourmets, denen die Geografie wurscht ist, werden sich sagen: Hauptsache, Slow.
Jürg Fischer

Umlautlose

«Aussereuropische Kulturen» rubrizierte die Ausstellungsagenda der NZZ. Das wären dann wohl tropische.
Jürg Fischer

Bärenstarke

Im Vorfeld des Fussballspiels des FC Basel gegen die Berner Young Boys meinte der «Bund»: «Sieg und neu 10 Punkte Vorsprung: Es ist das Wunschszenario der Berner und wäre ein kleiner GAU für die Basler.» Das Spiel ging dann 1 : 1 aus. Aber selbst wenn das Wunschszenario eingetreten wäre, hätten wir den Baslern zugerufen: Habt euch nicht so, so ein niedlicher GAU hat noch keinem geschadet.
Jürg Fischer

Nekropolitische

«Die vermögenden römischen Patrizierfamilien liessen ihre Toten in Prachtgräbern an den Einfallstrassen nach Rom bauen – für die Ewigkeit», entnahmen wir der «Basellandschaftlichen Zeitung». Das hat man gerne: Sind die SklavInnen bis aufs Blut ausgebeutet, lässt man einfach die Toten schuften. Kost wird gespart, Logis befindet sich an Ort und Stelle.
Jürg Fischer

Levantinische

«Libanons Regierungschef ritt ab», meldete der Teletext von Fernsehen SRF, und zwar nicht im Sportblock. Ja, wohin ritt er denn? In den Sonnenuntergang, so hoffen wir.
Jürg Fischer

Entscheidende

«Scheinbar bewegen sich einige Schweizer Betroffene im Netzwerk des schweizerisch-angolanischen Geschäftsmannes Jean-Claude Bastos de Morais», hiess es auf nzz.ch, weshalb wir uns einmal mehr dem Unterschied zwischen «scheinbar» und «anscheinend» widmen wollen. Wenn Schweizer sich nur scheinbar im Netzwerk bewegten, hätten sie in Wirklichkeit rein gar nichts damit zu tun. Anscheinend hätte man das bei der NZZ gerne so gesehen. Inzwischen wurde «scheinbar» übrigens durch «angeblich» ersetzt. Das ist auch nicht viel besser.
Karin Hoffsten

Zusätzliche

Bei der Eröffnung der Gurlitt-Ausstellung in Bern nahm man laut «Berner Zeitung» ein interessantes Phänomen wahr: «Weil unter den Journalisten viele sprechen, murmelt an der Seite ein Simultandolmetscher die Übersetzung auf Englisch in sein Mikrofon.» Es dürfte dem Lärmpegel einen polyglotten Anstrich verliehen haben.
Karin Hoffsten

Belesene

Wer wie der Trauernde im «Tages-Anzeiger» der lieben Verstorbenen «in Momoriam» gedachte, las gewiss gern mit ihr die Romane von Michael Ende.
Karin Hoffsten

Definierte

Den Dialog der Woche führte Roger Schawinski mit dem Präsidenten des Waffenvereins Pro Tell. Frage: «Wozu braucht man eigentlich halb automatische Waffen?» Antwort: «Um der Schiesstätigkeit nachzugehen.»
Karin Hoffsten

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