Nr. 46/2017 vom 16.11.2017

Legal, scheissegal

Von Karin Hoffsten

Jetzt weiss ich, was selbstfahrende Autos mit Konzernen gemeinsam haben: Es sitzt kein Mensch am Steuer. In «20 Minuten» erläuterte Rechtsprofessor Peter V. Kunz: «Konzernen darf es nicht um die Moral gehen», weil sie «eine rechtliche Verpflichtung haben, so wenig Steuern wie möglich zu zahlen. Darauf haben ihre Aktionäre einen Anspruch, denn sie dürfen möglichst hohe Gewinne erwarten. Internationale Firmen können dazu verpflichtet sein, Briefkastenfirmen zu gründen, um Steuern zu sparen, solange das legal ist.»

Konzerne haben keine Kinder, werden nicht alt und müssen nicht aufs Klo – brauchen also weder Schulen noch Altersheime oder Abwasserentsorgung. Konzerne funktionieren selbstregulativ, und ihre RepräsentantInnen in Verwaltungsrat und Geschäftsleitung schalten jede verantwortungsbewusste Regung, sollte sie eine solche als Privatperson hin und wieder beschleichen, bei Betreten des Unternehmens konsequent ab.

Laut der NZZ wollten bei einer Umfrage auf comparis.ch fast die Hälfte der Befragten «unter keinen Umständen in ein selbstfahrendes Auto einsteigen». Gleichzeitig wählt die Mehrheit regelmässig PolitikerInnen, die kopflose Konzerne für die wahren Stützen der Gesellschaft halten.

Dabei werden diese Autos doch präzise programmiert. Ich denke, so ein moralfreier Konzern fährt uns alle schneller an die Wand.

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