Nr. 51/2017 vom 21.12.2017

Hochwasser in Mailand

Von Daniela JanserMail an Autor:in

Safran und Risotto, das gehört zusammen, ist klar. Dass Safran auch prima zu schwarzer Schokolade passt, ist eine grandiose neue Entdeckung. Nebst solchen Gaumenblitzen haben aber auch die draufgängerischen Beizer alle Mailands Klassiker auf der Karte: Ossobuco alla milanese. Am besten haben wir das kürzlich in einem Restaurant namens Heilige Jungfrau gegessen, «Santa Virginia», das ist eine Empfehlung. Wie überhaupt dieser ganze Text eine Empfehlung ist. Für Mailand. Im Winter.

Wenn man in Mailand die Nase in die Sonne streckt, vergisst man glatt, dass Dezember ist. Und obwohl sie dank des Gotthardbasistunnels nur noch dreieinhalb Stunden von Zürich entfernt ist, lässt sich auch die Deutschschweiz hier ganz gut vergessen. Etwa wenn man lustig einen der letzten offenen Kanäle entlangflaniert. Einst hatten diese Transportflüsschen die ganze Stadt durchzogen: ein Netz aus Wasseradern, das weit über die Stadtgrenzen hinausreichte. Der rosa schimmernde Marmor für den Mailänder Dom etwa wurde auf dem Wasserweg aus dem Ossolatal nahe dem Lago Maggiore herangeschafft.

Weniger bekannt als der Dom ist die Arena Civica im Parco Sempione. Wer will, kann sich von bestens informierten Freiwilligen durch diesen neoklassizistischen Prestigebau Napoleons führen lassen. Der kleine Kaiser versammelte dort das Volk zu seinen Füssen – für Brot und Spiele. Als der Bau 1807 eröffnet wurde, fand fast die ganze Bevölkerung Mailands darin Platz. Man konnte das Rondell mit Wasser füllen und Seeschlachten inszenieren. Durch Falltüren im Boden liessen sich die Schiffe gar spektakulär versenken.

Und wem mehr nach neuer Mode statt nach alter Geschichte ist: In Mailand bestaunt man die neuen Trends nicht nur in den Schaufenstern, sondern live auf der Strasse. Gerade tragen alle, hippe junge Männer wie distinguierte alte Damen, weit geschnittene Hochwasserhosen. Obwohl die mailändischen Wasserschlachten doch längst der Vergangenheit angehören.

Wer bei Mailand nur an Mailänderli denkt, soll den mit Himbeersauce, Leber und Muscheln aromatisierten Mailänder Risotto probieren. Viel aufregender!

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