Nr. 01/2018 vom 05.01.2018

Die «Pushing Horror Picture»-App

Von Karin HoffstenMail an AutorIn

Dass Jungsein bedeuten kann, sich unendlich zu langweilen, wissen alle, die es hinter sich haben oder in Zeiten aufwuchsen, in denen man dem Wort «push» nur als «drücken, schieben, stossen» im Englischunterricht oder auf Schwingtüren im englischsprachigen Ausland begegnete.

Die Digital Natives müssen sich nur noch zwischen zwei Push-Nachrichten langweilen, und «20 Minuten» offeriert nun die «Bern-Push»-App: «Du willst nie wieder einen Mordfall zwischen Berner Oberland und Olten verpassen? Oder du willst mitbekommen, wenn sich Linke und Polizei vor der Reitschule vertöffeln? Du willst immer auf dem Neusten Stand sein, welcher Berner Politiker gewählt und welcher Freiburger Teenie vermisst wird?» Dass Jugendliche wissen, welche PolitikerInnen gewählt sind, ist sinnvoll, gilt unter diesen aber als der feuchte Traum eines Staatskundelehrers. Wie viel köstlicher ist es doch, alle Morde der Umgebung zu kennen – nicht als Opfer natürlich – oder sich den vermissten Teenie ermordet hinterm eigenen Elternhaus vorzustellen.

In der Ostschweiz gibts so eine App noch nicht. Ein Detailhandelslehrling in Thusis muss sich derart gelangweilt haben, dass er das Lehrgeschäft anzündete. Sachschaden: acht Millionen. Hoffentlich merken die Kids nicht so schnell, dass der Unterhaltungswert von Selbermorden noch viel höher ist.

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