Nr. 02/2018 vom 11.01.2018

Von Karin Hoffsten und Jürg Fischer

Pluralistische

Wie jede Woche liess uns die «NZZ am Sonntag» am Glück frisch Vermählter teilhaben, diesmal an jenem zweier Menschen aus der akademischen Welt: «Am Tag nach der Trauung fliegen sie zu ihren Alma Mater zurück», die eine liegt in Kalifornien, die andere in Massachusetts. Nicht nur BildungsbürgerInnen erkennen hier, dass zwei Alma Mater der Mehrzahl bedürfen – bloss wie? Almae Matres dürfte richtig sein, aber chancenlos in einem Land, das konsequent von dem Boni, von dem Antibiotika und von einem Visa spricht. Und die Alma Maters tun auch NichtaltsprachlerInnen weh. Wir hätten der Autorin zwei schlichte Universitäten empfohlen.
Karin Hoffsten

Zusätzliche

Offenbar hat sich der «Tages-Anzeiger» zum Jahresbeginn geschworen, mehr Grosszügigkeit zu pflegen: An allem will man jetzt sparen, nur nicht mehr an den Buchstaben. So schrieb man, Heiko S. müsse «sich in Bälde vor dem Bezirksgericht Bülach verwantworten», wobei wir dem Stabreim zuliebe «verbantworten» vorgezogen hätten. Man wusste auch, dass der Genannte gern etwas übernimmt und sich die Webadresse huren-heiko.ch gesichert hat, «dieser Übernahme wurde ihm letzte Woche von der Boulevardzeitung verpasst». Glücklicherweise wird sich die Kunst der Letternanreicherung automatisch verfeinern: «Je häufiger wir eine Handlung wiederholen, desto mehr aktiviert das Gerhirn primitivere Regionen, um diese Handlung zu steuern.»
Karin Hoffsten

Wissbegierige

Im Zusammenhang mit der Berufslehre für Ü 50 statuierte der gleiche «Tages-Anzeiger»: «Lebenslanges Leben ist wichtig und heute unabdingbar.» Solange sich diese Erkenntnis noch nicht durchgesetzt hat, empfehlen wir den Ausbildungsstätten, auf Vorauszahlungen zu bestehen.
Jürg Fischer

Rekthaberische

Tendenziöse Berichterstattung mittels Trennprogramm – der «Blick am Abend» hat in dieser Disziplin ein Meisterstück fabriziert: «Zwar verfügen beide Präsidenten über die Kompetenz, einen Nuklearsch-lag einzuleiten.» Künftig können die zwei nicht nur wetteifern, wer den grösseren roten Knopf hat, sondern zusätzlich sagen: «Ich bin ein Riesennuklearsch.»
Jürg Fischer

Weidwunde

Erneut hat die WOZ in einer Bildlegende der letzten Nummer die Artenvielfalt gefördert: «Ein Hirtenschutzhund der Rasse Patou bei der Arbeit im Wallis.» Doch, doch, auch wenn es ihn nicht gibt – man müsste ihn erfinden: Hirten, die am Wolf leiden, sind bisher zu wenig geschützt.
Jürg Fischer

Unschlagbare

Sollen die in Zürich doch darauf verzichten, in Polizeimeldungen die Nationalität von Delinquenten zu nennen, wir berichten einfach von anderswo, sagten sich die Medien, die vergangenen Samstag diese Agenturmeldung verbreiteten: «Bei den Festgenommenen handelt es sich um 4 Eritreer im Alter zwischen 17 und 23 Jahren und um 19 Männer im Alter von 15 bis 26 Jahren aus der Schweiz, aus Deutschland, Kosovo, Mazedonien, der Türkei und Italien.» Differenzierter gehts kaum. Man darf annehmen, dass die Eritreer sich noch ein bisschen bewähren müssen, bis sie nach der nächsten Schlägerei in den Kreis der Männer aufgenommen werden.
Jürg Fischer

woznews@woz.ch

Wenn Ihnen der unabhängige und kritische Journalismus der WOZ etwas wert ist, können Sie uns gerne spontan finanziell unterstützen:

Überweisung

PC-Konto 87-39737-0
BIC POFICHBEXXX
IBAN CH04 0900 0000 8703 9737 0
Verwendungszweck Spende woz.ch