Nr. 03/2018 vom 18.01.2018

Von Kaspar Surber

Klezmerpunk

«Ejns, tswej, draj, fir, arbetlose senen mir», singt Daniel Kahn auf Jiddisch, dazu blasen die Painted Birds eine heitere Tanzmusik. Was für eine selbstbewusste Hymne, dieser «March of the Jobless Corps»! Noch so gerne schliesst man sich dem Umzug an und pfeift auf die ChefInnen dieser Welt und den Arbeitsplan im eigenen Kopf. Daniel Kahn, aufgewachsen in Detroit, ansässig in Berlin, hat mit seiner Band einen eigenen Klezmerpunk entwickelt, inspiriert von Bert Brecht, Woody Guthrie und Tom Waits. Besungen wird auch auf dem neuen Album «Lost Causes» ein revolutionäres Utopia, das in der Vergangenheit wie in der Zukunft liegt. Musik, die ins Herz zielt und in die Beine geht. «Ejns, tswej, draj, fir …»

Daniel Kahn & The Painted Bird in: Zürich El Lokal, Mo, 24. Januar 2018, 20.20 Uhr.

Glausers Träume

Zuerst einmal ist «Matto regiert» ein Kriminalroman. Wachtmeister Studer wird in die psychiatrische Klinik im bernischen Randlingen gerufen, wo Direktor Borstli spurlos verschwunden ist. Bei den Ermittlungen in der Anstalt verwischen sich die Grenzen von Rationalität und Wahnsinn, und ein gewisser Matto scheint bei allem seine Finger im Spiel zu haben. «Matto regiert» von Friedrich Glauser wird so auch zu einer Auseinandersetzung mit der Psychiatrie und ihrer disziplinierenden Macht. Friedrich Glauser, der selbst immer wieder in Anstalten eingewiesen wurde, meinte zum Roman: «Ich habe mir erlaubt, einige Träume darzustellen, die in meinem Kopf spielen.» Das Theater St. Gallen bringt «Matto regiert» nun in einer Inszenierung von Christina Rast als Schauspiel auf die Bühne.

«Matto regiert» in: St. Gallen Theater, Fr, 19. Januar 2018, 19.30 Uhr, So, 21. Januar 2018, 20 Uhr. Weitere Termine: www.theatersg.ch.

Lumbre

Federico Souza kehrt nach zwölf Jahren in Buenos Aires in sein Heimatstädtchen Chivilcoy zurück. Ein Freund der Familie, ein verwirrter Dichter, soll ihm eine Kuh vermacht haben. Aus dem Besuch im Dorf sowie den nachgelassenen Schriften des Dichters entwickelt sich ein Panorama der jüngeren Geschichte Argentiniens. Hernán Ronsino, der Autor von «Lumbre» (Glühen), ist selbst in Chivilcoy aufgewachsen. Die Kritik reiht seine Werke in die lateinamerikanische Erzähltradition der letzten fünfzig Jahre ein. Nun weilt Ronsino als Writer in Residence in Zürich und spricht zum Auftakt über seine Arbeit.

Hernán Ronsino in: Zürich Literaturhaus, Do, 25. Januar 2018, 19.30 Uhr.

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