Nr. 07/2018 vom 15.02.2018

Maschinenliebe

Kann man sich Wunschpartner oder Geliebte in Zukunft als täuschend echte Puppe mit dem 3-D-Drucker ausdrucken? Oder etwas weniger plump gefragt: Wie wirken sich die sogenannten neuen Technologien auf unsere zwischenmenschlichen Gefüge und Gefühle und vor allem auf die Liebe aus? Und gibt es an der Schnittstelle von Haut und Maschine vielleicht ganz neue sinnliche Dimensionen zu entdecken? Eine Sammelausstellung mit verschiedenen KünstlerInnen versucht Antworten.

«Future Love. Begehren und Verbundenheit im Zeitalter geformter Natur» in: Basel Hek (Haus der elektronischen Künste), bis So, 15. April 2018. www.hek.ch

Daniela Janser

Gestochen scharf

Die Legende will, dass sich der Wehrmachtssoldat Herbert Hoffmann in russischer Kriegsgefangenschaft ins dolchdurchbohrte Herztattoo eines lettischen Seemanns verguckte. Unter den Nazis verpönt und verfolgt, war das Tätowieren in Deutschland auch 1961 einzig in der Seefahrerstadt Hamburg erlaubt. Dort eröffnete Herbert Hoffmann sein Tattoostudio, natürlich im Stadtteil St. Pauli. Ende der achtziger Jahre zog er sich dann in eine radikal andere Welt zurück und lebte noch drei Jahrzehnte lang als berühmtester Tätowierer und Tätowierter der Welt im beschaulichen appenzellischen Heiden, wo er 2010 mit neunzig Jahren starb. Bis dann hatte er Zehntausenden einen Original-Hoffmann unter die Haut gestochen. Zum Glück für die Nachwelt hat er immerhin einige von ihnen auch fotografiert – in direkten, gestochen scharfen Schwarzweissporträts.

Herbert Hoffmann: «Es juckt schon wieder unter dem Fell» in: St. Gallen Kunsthalle, bis So, 25. März 2018. www.kunsthallesanktgallen.ch

Daniela Janser

Am Schlepplift

Just in dem Winter, da die Schneeberge am Berg kaum Wünsche offenlassen, reist Arno Camenisch mit einem schlanken Roman über den Schneemangel durchs Unterland. Und es muss unbedingt an der Qualität von «Der letzte Schnee» liegen, dass diese Diskrepanz die Begeisterung über das Buch kein bisschen trübt. Camenischs alternde Skiliftwarte erzählen und warten in der Nachfolge von Becketts «Warten auf Godot» – unterbrochen von kleinen Apéritifs und grossen Revisionen: federleichte Dialoge, immer an der Grenze zum Verschwinden.

Arno Camenisch liest aus «Der letzte Schnee» in: Schwyz, Amriswil, Lenzburg, Sarnen, Tägerwilen und an vielen weiteren Orten. Genaues Programm: www.arnocamenisch.ch/agenda

Daniela Janser

Ein anderes Ich

Es interessiere sie immer mehr, was sie selber zu erzählen habe, sagte die Schauspielerin Sabine Timoteo vor kurzem in einem Radiointerview. Die Bernerin, die zurzeit in Wilfried Meichtrys Film «Bis ans Ende der Träume» zu sehen ist, hat in rund fünfzig Filmen den Geschichten von anderen Gesicht, Körper, Stimme und Seele gegeben. Nun ist der erste Film zu sehen, bei dem sie selber Regie geführt hat. «Sag mir nicht, du kannst nicht singen» heisst das Debüt, das sie mit einer Gruppe von BernerInnen mit kleinem Budget und grosser Dringlichkeit verwirklicht hat. Der Film handelt von Claire (Doro Müggler), vom Tod und von einer Wiedergeburt. Eines Tages lässt Claire ihr gewohntes Leben hinter sich, um ihrer zweiten Hälfte zu begegnen, die ihre Hilfe braucht.

«Sag mir nicht, du kannst nicht singen» in: Bern Kino Rex, Sa, 17. Februar 2018, 11 Uhr, und So, 18. Februar 2018, 20 Uhr. www.rexbern.ch

Silvia Süess

Wenn Ihnen der unabhängige und kritische Journalismus der WOZ etwas wert ist, können Sie uns gerne spontan finanziell unterstützen:

Überweisung

PC-Konto 88-385775-2
BIC POFICHBEXXX
IBAN CH 75 0900 0000 8838 5775 2
Verwendungszweck Spende woz.ch