Nr. 08/2018 vom 22.02.2018

Grundfragen der Menschheit

Von Karin HoffstenMail an AutorIn

Über Helene Fischer sagte kürzlich ein Psychologe laut «Blick»: «Diese Frau sendet asexuelle Sexualreize aus.» Falls Sie Frau Fischer nicht kennen: Die deutsche Schlagersängerin füllte an fünf aufeinanderfolgenden Abenden das Zürcher Hallenstadion. Ich war nicht dabei, weshalb ich weder Frau Fischers Reize noch die Qualität ihres Gesangs beurteilen kann. Doch wenn man die Begriffskombination «Helene», «Fischer» und «heiss» googelt, erhält man fast 400 000 Treffer.

Der zitierte Psychologe ist Hon. Prof. DDr. Karl F. Stifter (67) aus Österreich, Mentalenergetiker und Erfinder der Urkraftmethode, die ich leider auch nicht kenne, ebenso wenig wie Herrn Stifters Musikgeschmack. Aber «asexuelle Sexualreize» verwirren doch in ähnlichem Masse, wie es ein Hinweis auf tonlose Gesänge täte.

Mit Caroline Fux, Psychologin und «Blick»-Sexualberaterin, mischte sich eine weitere Fachperson in die Diskussion: Die Sängerin sei «nicht frei von erotischer Ausstrahlung», sondern «eine attraktive Frau, die gekonnt mit ihrer Anziehungskraft spielt». In den Metropolen rottet sich inzwischen das Volk zusammen, «Helene ist heiss!»-VertreterInnen marschieren gegen «Helene singt sauber!»-Fans. Die Polizei ist in Alarmbereitschaft.

Das Thema wird uns noch lange beschäftigen, und wenn alles vorbei ist, wird unsere Gesellschaft nicht mehr dieselbe sein.

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