Nr. 08/2018 vom 22.02.2018

Von Jürg Fischer und Karin HoffstenMail an AutorIn

Machiavellistische

Über das russische Engagement in Syrien schrieb die NZZ: «Das Verteidigungsministerium versteckt sich hinter der faktisch korrekten Formulierung, russische Soldaten seien dort nicht zum Einsatz gekommen.» Besonders raffiniert, diese Russen. Sie führen uns statt mit Fake News nun bereits mit der Wahrheit hinters Licht.
Jürg Fischer

Stoffwechselnde

Knapp daneben ist auch vorbei, wie das Beispiel von der Website der Firma Ochsner Sport zeigt: «Mit der Verto Micro Jacket von The North Face kommst du zu einer ganz besonderen Kacke – schön und stylisch und dabei auch atmungsaktiv, isolierend und strapazierfähig.» Ob man die Tastatur beherrscht, ist eben nicht Jacke wie Hose beziehungsweise geht je nachdem voll in die Letztere.
Jürg Fischer

Bildungshungrige

Aus aktuellem Anlass debattierte unsere Redaktion kürzlich über die Frage, ob das Postauto «Dü Da Do» oder «Tüü Taa Too» macht. Da keine Einigung erzielt werden konnte, wandte man sich ans Museum für Kommunikation und erfuhr, dass Postautos nicht nur Deutsch beherrschen, «Tü-Ta-Too», sondern auch Französisch, «Tü-Ta-Ti», und Englisch, «Too Ta-Too». Ein Teil der erschwindelten Subventionen soll ja in rätoromanische und italienische Tuuut-Kurse investiert worden sein.
Karin Hoffsten

Treffsichere I

Das rechte Wort zur rechten Zeit zu erwischen, ist mitunter eine Herausforderung. So fand sich vor einiger Zeit anlässlich der Ernennung des Staatssekretärs für europäische Angelegenheiten im «Tages-Anzeiger» der Satz: «Neuer Chefunterhändler wird der füchsische Roberto Balzaretti, ein Kommunikationstalent.» Im Duden findet sich diese Eigenschaft nicht mehr, dafür bietet das grimmsche Wörterbuch folgende Synonyme an: falsch, heuchlerisch, tückisch und schlau. Für Verhandlungen mit den EU-SchlawinerInnen sind diese Charakterzüge unabdingbar.
Karin Hoffsten

Treffsichere II

Ein definitiv rechtes Wort zur unrechten Zeit verwendete die «NZZ am Sonntag» im Nachruf auf einen Musiker, der den Holocaust überlebt hatte. Man schrieb: «Als sein Onkel nach der Kristallnacht flüchtet, erbt er dessen Schlagzeug.» Von politisch korrekter Sprache kriegt man ja wirklich nur depressive Verstimmungen, und «Kristall» klingt nun mal munterer als «Pogrom».
Karin Hoffsten

Treffsichere III

Das «Mansplaining» oder zu Deutsch «Herrklären» gehört inzwischen zum sprachlichen Allgemeingut. Mit dem «Mainsplaining-Gockel» erweiterte der «Tages-Anzeiger» kürzlich die Auswahl. Da mancher Mann auch unter seinesgleichen gern den Haupterklärer gibt, ist das eine sinnvolle Bereicherung.
Karin Hoffsten

Erleichterte

Als sich unsere Berggebiete vor Wochen in tiefster Not befanden, setzte der «Blick am Abend» diese Meldung ab: «Rund 6000 Menschen samt Einheimischen sind derzeit in Saas-Fee eingeschlossen.» Wir freuen uns, bekannt geben zu können, dass die Menschen inzwischen freigelassen wurden. Über eine Befreiung der Einheimischen wird noch verhandelt.
Karin Hoffsten

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