Nr. 15/2018 vom 12.04.2018

Auf ins neue Zeitalter

Von Karin Hoffsten

Dass unser aller Daten das neue globale Kapital seien, dass diese Daten nur mangelhaft geschützt werden, dass wir infolgedessen manipuliert und beeinflusst werden können, lese ich seit Jahren – bloss wirklich vorstellen kann ichs mir nicht.

So verschwommen, wie mir einst im Physikunterricht Strom, Spannung und Widerstand blieben, erscheinen mir die aktuellen Enthüllungen. Die Firma Cambridge Analytica hat die Daten von 87 Millionen Facebook-Accounts abgesaugt, mit Dritten geteilt und so den amerikanischen Wahlkampf beeinflusst. Folglich erwarte ich auch auf meinen Social-Media-Profilen konkret sichtbare Zeichen der Beeinflussung. Doch personifizierte Angebote macht mir bloss hin und wieder die Migros: Kaum hab ich dreimal Biojoghurt gekauft, bietet sie mir vierzigfache Cumuluspunkte auf das nächste – und diese Punkte bedeuten Geld.

Also kämpfe ich mich durch aufklärende Artikel, lese, es gehe gar nicht um mich als Individuum, sondern um gigantische Manipulationen in den Datenflüssen der Netzwerke. Doch wie genau, sei noch Spekulation.

Nun erscheint seit Tagen ein leichenblasser Mark Zuckerberg in Anzug und Krawatte vor diversen Ausschüssen und bittet um Entschuldigung. Ich vermute ja, für seine Canossagänge hat man ihn extra weiss geschminkt. Unter so einer Manipulation kann ich mir wenigstens was vorstellen.

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