Nr. 21/2018 vom 24.05.2018

Im posthumanen Zeitalter

Die alte Frage von Philip K. Dick, ob Androiden von elektrischen Schafen träumen, wurde jüngst von Hollywood nochmals neu aufgewärmt, mit dem 150-Millionen-Dollar-Blockbuster «Blade Runner 2046». Mit kleinerem Aufwand probt nun auch das LAB Junges Theater Zürich das posthumane Zeitalter. Ausgehend von Motiven aus Dicks Roman, haben die Jugendlichen dabei ihre eigene Version von einer Welt ohne Menschen entwickelt. «Träumt ein Wal vom Menschsein» heisst dieses künstlerische Experiment, und die Sache mit dem Walfisch ist nur folgerichtig: Wenn die Klimaerwärmung den Meeresspiegel dereinst bis zum Matterhorn hat ansteigen lassen, weiss doch niemand mehr, was ein Schaf ist.

«Träumt ein Wal vom Menschsein» in: Zürich Theater Neumarkt, Do, 24. Mai 2018, und Mo/Di, 28./29. Mai 2018, jeweils 20 Uhr.

Florian Keller

Nachkippen mit Tischbombe

Welche von beiden wird am Ende hackedicht sein? So voyeuristisch darf man schon fragen, schliesslich zielt der Titel der Talkshow ungeniert darauf ab: «Die Klügere kippt nach» heisst die neue Berner Gesprächsreihe, bei der die Satirikerin Lisa Catena und die Ex-Altnationalrätin Aline Trede samt Gästen gegeneinander antreten. Den Anfang machen der Gastrounternehmer Adrian Iten und die «Blick»-Sexberaterin Caroline Fux. Eine Tischbombe ist auch dabei, und weil beide Gastgeberinnen nicht dumm sind, darf man davon ausgehen, dass auf der Bühne zünftig nachgekippt wird. Fragt sich bloss: Wenn beide immer genau gleich klug sind, bleiben Catena und Trede dann stocknüchtern?

«Die Klügere kippt nach» in: Bern Burgunder Bar, Di, 29. Mai 2018, 21 Uhr.

Florian Keller

Lyrisches Lebenswerk

«Es ist der gewaltige Versuch, der Herausforderung unserer Zivilisation und der sogenannten Globalisierung nahezukommen», schrieb die WOZ vor zwölf Jahren, als der Gedichtband «Systema Naturae» von Iason Depountis, einem der bedeutendsten zeitgenössischen Lyriker Griechenlands, auf Deutsch erschien. Übersetzt hatte das Werk sein Sohn Dimitri Depountis – eine erste Sammlung «Systema Naturae» war 1969 illegal gedruckt worden, als Widerstandsakt gegen das Regime der faschistischen Obristen. Der Autor ging damals ins Exil und lebte schliesslich vorwiegend in der Schweiz. Zum zehnten Todestag von Iason Depountis stellt sein Sohn nun an mehreren Veranstaltungen die literarischen Stationen seines Vaters vor. Aus dessen Werken lesen Dimitri Depountis, Dagny Gioulami und Irina Kastrinidis.

«Schriften und Stoffe von Iason Depountis» in: Zürich Galerie Karouzou, So, 27. Mai 2018, und So, 17. Juni 2018, jeweils 11 Uhr. www.karouzougalerie.ch

Silvia Süess

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