Nr. 21/2018 vom 24.05.2018

Von guten und bösen Feen

Von Karin Hoffsten

Die Welt hat Meghan und Harry beim Heiraten zugeschaut, und es war schön. (Die Berichterstattung finden Sie auf Seite 14.) Doch nicht nur die Hochzeit gestaltete sich als Märchen, auch das Drumherum wies alle Komponenten des Genres auf: eifersüchtige Stiefgeschwister, die nicht eingeladen waren, und ein Vater, der in den Wirren fast sein Leben verloren hätte und die Braut nicht zum Altar führen konnte. Dieser Teil war durch Aschenbrödel inspiriert, wobei sich hier die Stiefschwester zum Glück keine Zehe abhackte, um den Prinzen selbst zu ergattern.

Die Prophezeiungen hingegen gemahnten an Dornröschen. Zu deren Geburt lud der König zwölf Feen ein, die dreizehnte musste draussen bleiben, weil es bei Hofe zu wenig goldene Teller gab. Sie war erbost und verfluchte Dornröschen.

Im aktuellen Fall übernahm die Feministin Germaine Greer den Part und sagte der prinzlichen Ehe ein düsteres Schicksal voraus: Meghan werde sich bald langweilen, unglücklich sein und weglaufen. Das liegt natürlich im Bereich des Möglichen – wie in jeder Beziehung, mit oder ohne Eheschliessung. Zudem erklärte Greer, niemand wolle Meghans Kinder. Wobei es normalerweise ja genügt, wenn die Eltern sie wollen.

Immerhin bezeichnet sich die neue Duchess of Sussex selbst öffentlich als Feministin, was viele Frauen strikt vermeiden. Auch das spricht Germaine Greer ihr ab. Bleibt zu hoffen, dass am Ende wie bei Dornröschen noch die zwölfte – gute – Fee zu Wort kommt und den Fluch wieder mildert.

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