Nr. 28/2018 vom 12.07.2018

Die einen und die anderen

Von Karin Hoffsten

Welch eine Freude – die zwölf Buben und ihr Trainer sind gerettet! Die Vorstellung, man sässe in Dunkelheit und Nässe in einer Höhle, aus der man vielleicht nie mehr rauskommt, dürfte jeden fühlenden Menschen erschüttert haben (wobei ja einer meiner Kollegen prognostiziert, die Höhle werde jetzt Thailands Touristenattraktion Nummer eins). Beim Gedanken, im überfüllten Schlauchboot auf dem Mittelmeer zu treiben, fühle ich mich aber auch nicht besser – gerade sind wieder 120 Menschen ertrunken, weil ein Seenotrettungsschiff nicht eingreifen durfte.

Dass das mitfühlende Interesse für die Jugendlichen in Thailand in ungeheurem Missverhältnis zur unmenschlichen Haltung Europas gegenüber Kindern auf der Flucht steht, kommentierten viele. Und nachdem die Höhlenbuben glücklich gerettet sind, gebe ich Ihnen hier gern meinen Lieblingstweet weiter: «Man muss diese Kinder in Thailand einfach in der Höhle lassen und eine starke Botschaft schicken, damit andere Kinder nicht mehr in Höhlen reinlaufen. Wir können ja nicht alle aus der Erde rausholen. Und falls die Kinder doch irgendwie rauskommen sollten, direkt wieder zurück in die Höhle abschieben.»

Besonders einleuchtend erklärte Medienfachmann Kurt W. Zimmermann das unterschiedliche Interesse: «Könnte damit zu tun haben, dass thailändische Kinder nicht in unsere Sozialsysteme einwandern und in der Silvesternacht keine Frauen vergewaltigen.»

Ein Land, das solche Intellektuellen sein Eigen nennt, braucht keine Idioten mehr.

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