Nr. 34/2018 vom 23.08.2018

Grünwaschende Bitcoinspenden

Von Susan Boos

Liechtenstein will Europas grösste Börse für Kryptowährungen aufbauen. Regierungschef Adrian Hasler warb vergangene Woche begeistert dafür. Das «Crypto Valley» Zug soll Konkurrenz bekommen.

Der Bitcoin und andere Kryptowährungen werden ausserhalb der Bankenwelt geschöpft und über sogenannte Blockchains verwaltet. Wie das im Detail geht, verstehen nur wenige. Wichtig ist aber zu wissen: Die digitalen Währungen fressen unglaublich viel Strom, weil Millionen von Computern damit beschäftigt sind, sie zu schöpfen und zu verwalten. Eine einzige Transaktion mit Bitcoins verschlingt 200 Kilowattstunden. Das ist etwa gleich viel Strom, wie eine vierköpfige Familie in drei Wochen braucht. Weil der Boom nicht nachlässt, dürften die Bitcoins Ende 2019 so viel Strom konsumieren, wie heute alle Solaranlagen weltweit bereitstellen. So wird das nichts mit der Energiewende.

«Um Bitcoins trotzdem ein ‹grünes Image› zu geben, nutzen die Lobbyisten einen guten Trick», warnt Axel Mayer, Geschäftsführer der Umweltorganisation BUND in Freiburg im Breisgau, in einem soeben publizierten Beitrag. «Sie bieten NGOs und Umweltverbänden die Möglichkeit, Bitcoin-Spenden zu erhalten, und richten liebend gerne die entsprechenden Spendenseiten ein.» Erste NGOs wie der BUND Berlin akzeptierten inzwischen aber keine Bitcoinspenden mehr, weil sie sich nicht am Greenwashing beteiligen wollten, schreibt Mayer: «Die Debatte hat endlich begonnen.»

Quellen: www.energiezukunft.eu, www.bund-rvso.de

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