Nr. 46/2018 vom 15.11.2018

Spart euch die Spione!

Von Karin HoffstenMail an AutorIn

Wenn du an Verfolgungswahn leidest, heisst das noch lange nicht, dass sie nicht hinter dir her sind. Für IV-BezügerInnen mit psychiatrischen Diagnosen gewinnt der alte Witz vor der Abstimmung über Sozialversicherungsspione unerwartet an Aktualität.

Wer immer sich gegen das neue Gesetz äussert, muss erst beteuern, er oder sie sei wirklich! ehrlich! auch gegen Betrug. Wie der aussieht, durfte stolz nach geglückter Jagd der Leiter der IV-Stelle Schwyz in der «Rundschau» mit Überwachungsvideos demonstrieren. Und «exklusive Videos», auf denen Männer mit IV-Rente kraftvoll zupacken, zeigt auch 20min.ch. Das ist zwar schon jetzt illegal, aber wunderbar geeignet, den brodelnden Volkszorn weiter anzuheizen.

In der «Rundschau» fehlte leider eine psychiatrische Fachperson, denn bei psychisch Kranken liegt das Problem tiefer. Bei einer Depression, die äusserlich kaum erkennbar ist, befürworten Fachleute nämlich alles, was geeignet ist, erkrankte Menschen wieder am Leben teilhaben zu lassen, wie Sport und soziale Aktivitäten. Auf Video kann das recht heiter wirken.

2017 wurde die Rente einer IV-Bezügerin halbiert, weil sie sich zu viel auf Twitter getummelt habe. Jemand hatte der IV-Stelle Aargau anonym mitgeteilt: «Wer so viel lesen und schreiben kann, der kann auch für einen Teil ihres Auskommens selber sorgen.»

Die bewährte, solide Denunziation klappt doch auch mit dem alten Gesetz.

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