Nr. 50/2018 vom 13.12.2018

Gleichgestellte Stilkritik

Von Karin HoffstenMail an AutorIn

Von «warm, weich, rund, wie eine Mutter» (Viola Amherd) bis zu «streng» mit «starkem Pokerface» (Karin Keller-Sutter) reichte das Urteil zweier Männer in der Sendung «Glanz & Gloria» über die neuen Bundesrätinnen. Ein Kommunikationsberater und ein Stylist latschten freudig durch den geräumigen Fettnapf, den das Schweizer Fernsehen bereitgestellt hatte. SRF hat sich inzwischen für den Beitrag entschuldigt – nein, nicht um Entschuldigung gebeten, aber man freut sich ja schon über Kleinigkeiten.

Nun heisst es ja immer, wirkliche Gleichstellung sei erst erreicht, wenn Frauen genau so viel Mist bauen dürften wie Männer, ohne dass dieser ihrem Geschlecht zugeschrieben würde. Also warte ich auf entsprechende Sendungen über die Herren Bundesräte. Modisch gibts da zwar bis auf frischere Krawattenfarben wenig zu empfehlen, doch bei Guy Parmelin, Ueli Maurer und Ignazio Cassis könnte man Körperhaltung, Haarschnitt und Zahnstellung thematisieren, und Alain Berset liesse sich ein geeignetes Toupet empfehlen.

Und wäre so die Gleichstellung erreicht, könnte ich endlich öffentlich fragen, was mich schon lange beschäftigt: Gibts eigentlich für SRF-Moderatorinnen einen Langhaarzwang, oder hängt in der Maske eine gemeinsame Perücke (Mittelscheitel, unten leichte Wellen), die sich jede schnell auf den Kopf stülpt, bevor sie vor die Kamera tritt?

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